zum Taufstein gemeißelter Menhir in Eschfeld
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Eschfeld liegt in der Westeifel, nahe dem Dreiländereck von Deutschland, Belgien und Luxemburg, ein kleines Dorf mit wenig mehr als zweihundert Einwohnern und einer Kirche, die größer wirkt, als der Ort es vermuten lässt. Ich kam an einem stillen Nachmittag und blieb zuerst vor St. Luzia stehen, einem neugotischen Saalbau von 1869, den der „Malerpfarrer” Christoph März zwischen 1906 und 1921 von innen mit Bildern ausgestaltet hat. Doch ich war nicht wegen der Gemälde gekommen. Direkt südwestlich der Kirche, auf einer gepflasterten Fläche, steht der Stein, von dem es heißt, er sei einst ein Menhir gewesen.
Man erzählt sich, der heilige Willibrord, der Glaubensbote der Eifel, habe den heidnischen Stein zu einem Taufbecken umgearbeitet. Danach habe er der Taufe der ersten Christen gedient. Es ist dieselbe Geschichte, die man auch vom Fraubillenkreuz hört, und sie hat mich auf dieser Reise schon mehrfach begleitet: ein Stein, der älter ist als der Glaube, der ihn sich zu eigen macht, und ein Heiliger, der ihn mit eigener Hand verwandelt. Ich fand es nicht schwer, sie zu glauben, als ich so vor ihm stand, und fand es deshalb umso wichtiger, nachzusehen, was die Forschung dazu sagt.
Die Antwort ist nüchterner. Nach neueren Untersuchungen ist der Stein gar kein ehemaliger Menhir, sondern ein romanischer Taufstein aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, gefertigt aus Arkose in Steingruben, die heute auf belgischem Gebiet liegen. Etwa vierzig solcher Taufsteine sind in Belgien und Luxemburg erhalten. Die Kulturdenkmalliste spricht von einem „angeblich frühromanischen” Taufstein, und selbst dieses Wort „angeblich” klingt, als wollte es der Geschichte nicht ganz widersprechen. Der ursprüngliche Standort ist unbekannt. Es heißt, der Stein sei zwischenzeitlich vergraben gewesen und habe bereits an der alten Kirche des Ortes gestanden, die bis 1867 im heutigen Unterdorf lag. Wo er davor war, weiß niemand.
Seine Gestalt ist ungewöhnlich genug, um die Legende nachzuvollziehen. Ein recht dünner Sockel läuft kegelförmig nach oben zu und wird dann, auf etwas weniger als halber Höhe, wieder deutlich breiter. An der schmalsten Stelle ist ein Absatz eingearbeitet, an dem man die Struktur des Taufbeckens erkennen kann. Ich ging langsam um ihn herum und fuhr mit der Hand an der Taille des Steins entlang, dort, wo er sich verengt, und verstand, warum man ihn für einen umgearbeiteten Menhir halten konnte. Wer ihn sieht, ohne sich auszukennen, denkt an einen alten Fels, an dem jemand gemeißelt hat, und nicht an ein Werk aus einer Werkstatt. Er hat dieselbe Form wie der Taufstein von Binscheid, und beide sind nach heutigem Wissen Geschwister aus derselben Zeit.
Und doch hat der Ort etwas an sich, das die Wissenschaft nicht ganz erklärt. Eschfeld ist uralt. Schon um 400 vor Christus siedelten hier Kelten, und das Wappen des Dorfes zeigt eine Urne aus einem keltischen Hügelgrab, rund 2400 Jahre alt, das älteste Zeugnis der Besiedlung. Menschen sind hier also seit mehr als zwei Jahrtausenden gewesen, und in dieser langen Zeit hat sich vieles über den Boden gelegt: Gräber, Kirchen, Kriegsschäden. Im Zweiten Weltkrieg wurden rund sechzig Prozent des Dorfes zerstört, und nur wenige Schritte vom Taufstein entfernt liegt der Ehrenfriedhof. Dass ein Stein, der schon im Mittelalter vergraben und wiedergefunden wurde, in einem solchen Ort Legenden anzieht, wundert mich nicht.
Ich glaube inzwischen, dass die Geschichte vom christianisierten Menhir mehr über die Menschen erzählt als über den Stein. Man hat sich diesen Taufstein nicht als Werk eines Handwerkers vorstellen wollen, sondern als etwas, das aus der Tiefe der Zeit kam und durch einen Heiligen geweiht wurde. Das ist eine schöne Vorstellung, und ich möchte sie nicht kleinreden. Aber sie ist eine Deutung, kein Befund.
Als ich ging, begann die Abendsonne die Fassade der Kirche zu färben, und der Taufstein warf einen langen, schmalen Schatten über das Pflaster. Er stand ruhig da, schlank in der Mitte, breit an der Schale, ein Stein, der nie ein Menhir war und doch seit Jahrhunderten so behandelt wird, als wüsste er mehr, als er sagt. Vielleicht ist es das, was eine Legende erreichen kann: einem Gegenstand etwas Unendliches geben, ohne dass er sich verändert.