Menhirgruppe auf dem Ferschweiler Plateau
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Im Norden des Ferschweiler Plateaus, in der Nähe seines höchsten Punktes, liegt ein ausgedehntes Waldgebiet, das sich nordwestlich von Ferschweiler und südöstlich des Weilers Rohrbach erstreckt. Das Gelände ist dort flach und eben, und ich folgte den Wegen durch hohe Fichten, durchsetzt von jungen Buchen mit leuchtend grünem Laub, bis das Licht heller wurde und sich eine kleine Lichtung öffnete. Dort stehen sie, die beiden Nusbaumer Menhire. Ich erkannte sie schon von Weitem, den einen aufrecht, den anderen am Boden, wie zwei Gestalten, die einander gegenübergestellt wurden, ohne dass jemand sagen könnte, ob als Freunde oder als Zeugen.
Der stehende Menhir ist etwa 2,15 Meter hoch, 1,10 Meter breit und 65 Zentimeter tief. Er hat eine rundliche Form und endet in einer stumpfen, abgerundeten Spitze. Dicker, grüner Moos überzieht seinen oberen Teil, und seine Flanken sind von Rissen durchzogen, in denen sich, so schien es mir, die Jahrtausende gesammelt haben. Im Stein finden sich eingeritzte Kreuze, später hinzugefügt, wie bei so vielen Steinen dieser Landschaft. Auf meinem Foto steht er vor den dunklen Stämmen wie ein aufrechter Wächter, ein wenig schief im Licht, und doch fest.
Der liegende Menhir daneben ist der eindrücklichere der beiden. Er ist oval, an den Enden leicht verjüngt, und er ist in zwei Teile zerbrochen. Heute liegt er flach auf dem Waldboden, 54 Zentimeter hoch, 1,77 Meter breit und knapp drei Meter lang, doch vor dem Bruch hätte er aufgerichtet rund vier Meter gemessen, einer der großen Steine der Region. Die beiden Bruchstücke liegen nebeneinander, bemoost und mit Laub bedeckt, wie ein Körper, der sich zur Ruhe gelegt hat. Ich stand eine Weile am Rand und versuchte, mir den Stein aufrecht vorzustellen, mit der Spitze zwischen den Kronen, und gestehe, dass es mir nicht ganz gelang. Der Wald hat ihn sich zurückgeholt.
Ihre Geschichte ist keine ungebrochene. 1930 wurden beide Steine entdeckt, doch der liegende befand sich damals noch rund 20 Meter weiter östlich als der stehende. Bei der Verlegung an den heutigen Standort ist er vermutlich zerbrochen. Der stehende Menhir wiederum befand sich bei seiner Entdeckung in deutlicher Schräglage, die später korrigiert wurde. Danach untersuchte sie niemand mehr, bis man sie 1999 wiederentdeckte. Bei einer Grabung im Jahr 2000 fand man keine Hinweise auf ein Fundament, und so gilt es als gesichert, dass der heutige Standort des liegenden Menhirs nicht der ursprüngliche ist. Man hat den Stein also bewegt und dabei beschädigt, ohne dass wir wissen, wohin er einst gehörte. Der eine Stein wurde aufgerichtet, der andere gebrochen, und beide teilen nun dieselbe Lichtung, als wäre das immer so gewesen.
Und doch scheint zwischen ihnen und dem dritten Nusbaumer Menhir, dem Fraubillenkreuz, eine Sichtachse zu bestehen. Möglicherweise handelte es sich ursprünglich um ein bewusst aufgebautes System aus Steinen, die einander im Wald zugewandt waren. Ich möchte das nicht überbewerten: Die Forschung nennt es eine Möglichkeit, keine Gewissheit. Aber an diesem Ort, wo die Bäume nur ahnen lassen, in welche Richtung der Blick einst ging, fiel es mir schwer, es nicht für wahr zu halten.
Ich setzte mich auf einen umgestürzten Stamm, ein paar Meter von den Steinen entfernt, und hörte zu. Es war sehr still, nur das Wasser des Waldes, Tropfen, die von den Ästen fielen, und irgendwo das ferne Klopfen eines Spechts. Der Stehende und der Gefallene lagen im gleichen Licht, ruhig nebeneinander, ohne etwas zu sagen. Ich dachte daran, wie viele Hände sie berührt, bewegt und geändert haben, und wie wenig es ihnen auszumachen scheint. Wenn es einen Sinn gibt, den man aus diesem Ort mitnehmen kann, dann vielleicht diesen: dass etwas auch dann Bedeutung behält, wenn es zerbrochen wurde und nicht mehr an seinem Platz steht.
Als ich ging, blieb ich am Rand der Lichtung noch einmal stehen. Der Stehende ragte aus dem Grün, der Gefallene lag zu seinen Füßen, und beide wirkten, als hätten sie keine Eile.