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Menhir der Burg Bollendorf - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Menhir der Burg Bollendorf

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Bollendorf liegt an der Sauer, und gegenüber, auf der anderen Flussseite, beginnt Luxemburg. Mitten im Ort steht die Burg, deren heutiges Aussehen vor allem aus der Barockzeit stammt. Sie war einst der Sitz der Äbte von Echternach, und heute führt man dort ein Hotel und ein Restaurant. Ich kam an einem frühen Abend, als aus der Küche schon der Geruch von Butter und Kräutern drang und die Gäste unter den Fenstern saßen. Mir ging es aber um das, was im Hof der Burg steht, und ich brauchte einen Moment, bis ich es fand: ein Stein, den man leicht für ein Möbelstück des Gartens halten könnte.

Er wird als Grenzstein im Burghof geführt. Zugleich zählt man ihn zu den möglichen Menhiren, und diese Doppelrolle hat mich sofort beschäftigt. Ein Grenzstein ist ein Zeichen für Besitz, ein Menhir dagegen ein Zeichen für etwas, das wir nicht mehr benennen können. Dieser Stein trägt beide Bezeichnungen und ist damit selbst eine kleine Grenze zwischen den Welten. Wer ihn einst aufrichtete, ist nicht überliefert, und warum man ihn zum Markstein erhob, ebenso wenig. Ich habe nichts gefunden, was mit Sicherheit beweist, dass er prähistorisch ist, und ich möchte das hier ausdrücklich festhalten.

Wahrscheinlich ist das nicht ungewöhnlich. Ein Stück weiter, auf dem Ferschweiler Plateau, steht der Druidenstein, den man auch Eckstein nennt, weil er noch heute eine Feldgrenze bezeichnet. Von ihm weiß man, dass sein Name aus der Zeit der Keltenromantik im 19. Jahrhundert stammt, und dass solche Steine mit den Kelten nichts zu tun haben. Auf dem Plateau gab es einmal mehrere dieser Monolithe, und einige sind verschwunden. Vielleicht gehörte auch der Stein im Burghof einmal zu dieser Reihe und wurde irgendwann in den Machtbereich der Burg geholt, oder er stand von Anfang an dort und gab dem späteren Bau seinen Platz. Die Burg und der Stein sind zusammen gealtert, und wer von beiden zuerst da war, lässt sich vom Hof aus nicht ablesen.

Ich stand lange vor ihm. Über mir leuchteten die Fenster der Burg, im Rücken hörte ich Gespräche und das leise Klirren von Besteck, und vor mir ragte dieser ruhige Fels aus dem Kies. Es ist ein seltsames Gefühl, in einem Hotelhof zu stehen und zu spüren, dass hier etwas wartet, das mit Übernachtungspreisen und Speisekarten nichts zu tun hat. Die Äbte von Echternach, die über Jahrhunderte diesen Ort regierten, haben ihre Gebiete mit Steinen abgegrenzt, und man erzählt sich, dass solche Grenzzeichen oft dort gesetzt wurden, wo schon etwas Älteres stand, weil Menschen dem Respekt vor einem alten Zeichen mehr trauten als einem neuen. Ob es hier so war, kann ich nicht sagen.

Als es dunkel wurde, ging im Hof ein Licht an und warf meinen Schatten auf den Stein. Für einen Augenblick lagen beide nebeneinander an der Wand, mein Umriss und seiner. Dann trat jemand aus der Tür, und ich ging zur Seite. Ich hatte das vertraute Gefühl, an einem Ort zu stehen, der seine Geschichte nicht preisgeben will und sie trotzdem trägt. Vielleicht ist das die stillste Art von Mystik: ein Stein, der seit Jahrhunderten im Schatten einer Burg steht, als Grenze benutzt wird und auf die Frage, was er eigentlich war, nur schweigt.
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