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Druidenstein bei Holsthum - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Druidenstein bei Holsthum

Reisen > Deutschland > Rheinland-Pfalz > Eifelkreis Bitburg-Prüm
Am nordöstlichen Ende des Ferschweiler Plateaus, am Rand eines Waldgebietes südlich von Holsthum, liegt ein Hang, der sich nicht leicht preisgibt. Ich hatte die Kreisstraße 19 verlassen, die nur wenig westlich verläuft, und war ein Stück ins Gelände gestiegen, vorbei an der Gemarkungsgrenze zu Ferschweiler. Ein Führer hatte mir gesagt, der Stein sei schwer zu finden, und ich verstand bald, warum. Der Boden fällt steil ab, und überall liegen Felsblöcke, grau und moosbewachsen, jeder von ihnen hätte der gesuchte sein können. Ich ging eine ganze Weile zwischen ihnen umher und kam mir vor wie jemand, der im Wald nach einer Gestalt sucht, die sich unter Gestalten versteckt hat.

Dann stand er vor mir. Der Druidenstein bei Holsthum, auch Menhir in der Gründelhecke genannt, ist 2,35 Meter hoch, 1,40 Meter breit und 1,50 Meter tief, aus Liassandstein, unregelmäßig geformt und nach oben hin schmaler werdend. Er wirkt mächtiger als die anderen Steine des Plateaus, aber nicht ruhiger. Auffällig ist, dass er nicht in den Boden eingelassen wurde, wie man es von den übrigen Menhiren hier kennt, sondern auf einer Steinplatte steht. Ich ging um ihn herum und sah, dass er ohne diese Platte vielleicht längst gestürzt wäre. Auf seiner Oberfläche entdeckte ich ein eingeschliffenes Kreuz und mehrere Löcher, deren Ränder noch scharf wirkten.

Diese Löcher haben mich beschäftigt. Es sind Sprenglöcher, und sie sind der Grund dafür, dass die Deutung dieses Steins seit seiner Entdeckung umstritten ist. Man fand ihn erst um 1960, 1962 wurde er zum ersten Mal untersucht, und die erste nachgewiesene Erwähnung stammt aus dem Jahr 1965. Das ist sehr spät für einen Stein, der angeblich Jahrtausende alt ist. Gegen die Deutung als Menhir spricht außerdem seine Lage an einem Steilhang, die für einen aufgerichteten Stein sehr untypisch ist, und die vielen weiteren Felsblöcke in der Umgebung. Sie und die Sprenglöcher lassen eher vermuten, dass es sich um einen Felsen aus einem ehemaligen Steinbruch handelt. Bewiesen ist keine der beiden Theorien. Ich muss also ehrlich sagen: Ich stand vielleicht vor einem Menhir, vielleicht vor einem Abfallstück vergangener Arbeit. Der Stein sagt es nicht.

Gerade das hat mich an diesem Ort festgehalten. Alle anderen Steine auf dem Plateau, das Fraubillenkreuz, der Druidenstein bei Bollendorf, der kleine Langenstein, haben ihre Geschichten, ihre Legenden, ihre Namen. Dieser Stein dagegen scheint sich allem entziehen zu wollen: einer klaren Deutung, einem sicheren Standort, einem Beweis. Er trägt zwar den Namen Druidenstein, aber der Name verspricht ein Geheimnis, das der Stein nicht einlöst. Und das Kreuz auf seiner Fläche, die Löcher, die Platte unter ihm, all das sind Spuren von Händen, die an ihm gearbeitet haben, ohne dass ich sagen könnte, wann und wozu.

Ich setzte mich auf einen Felsbrocken in der Nähe und sah zu, wie das Licht durch die Baumkronen auf den Hang fiel. Es war sehr still. Irgendwo weiter unten rutschte etwas Laub, vielleicht ein Tier. Nördlich von hier, so wusste ich, liegen auf dem Plateau noch weitere Steine und römische Gräber, und die ganze Hochfläche ist durchzogen von Spuren, die alle etwas bedeuten könnten. Der Druidenstein von Holsthum erinnerte mich daran, dass nicht jede Spur eine Botschaft ist und dass nicht jeder Stein, der aussieht wie ein Wächter, jemals etwas bewacht hat.

Und doch, als ich aufstand und den Hang wieder hinabstieg, drehte ich mich noch einmal um. Der Stein stand dort wie vorher, schwer auf seiner Platte, und in der Dämmerung wirkte er nicht mehr wie ein Abfallstück. Vielleicht ist es das, was an solchen Orten bleibt: nicht die Gewissheit, dass etwas Heiliges geschah, sondern die Möglichkeit, dass es so war, und die Bereitschaft, sie offen zu lassen.
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