Bad Dürkheim
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Wer von Rheinhessen aus über den Rhein in die Pfalz übertritt, verlässt eine Landschaft der einzelnen, weit verstreuten Steine und betritt eine andere, dichtere Welt – denn die Pfalz gilt als die menhirreichste Region Deutschlands überhaupt, mit an die achtzig bekannten Steinen, und vermutlich noch mehr, die bis heute unentdeckt im Boden ruhen. Der Landkreis Bad Dürkheim liegt mitten in diesem dicht verwobenen Geflecht aus Wald, Rebhang und uraltem Kult, dort, wo sich Haardtgebirge und Rheinebene berühren und wo, wie ich auf meinen ersten Streifzügen durch diese Gegend lernte, kaum ein Waldstück ohne eine eigene, halbvergessene Geschichte auskommt.
Anders als die offenen Feldsteine Rheinhessens verbergen sich viele der Pfälzer Kultstätten im Dickicht – kleine, unscheinbare Steine, die auf Grabhügeln thronen, versteckt zwischen Farn und Windbruch, gefunden nur von jenen, die bereit sind, den ausgetretenen Wanderweg zu verlassen. Der Fliegenstein bei Wattenheim, kaum siebzig Zentimeter hoch und doch mit einer Geschichte von Asylrecht und Grenzziehung beladen, die weit über seine bescheidenen Maße hinausreicht, war für mich der erste dieser stillen Zeugen – ein Ort, der beweist, dass die eindrücklichste Mystik selten die lauteste ist.
Ich habe an diesen Orten gelernt, dass die Pfalz ihre alten Geschichten anders erzählt als andere Landschaften, die ich bereist habe. Nicht in Trommeln und Trance, nicht in offenen Prozessionen, sondern in einer Art beharrlichem Schweigen – Gräber unter Erde, die man erst begreift, wenn man sie erklommen hat, Steine, deren wahre Höhe sich unter der Oberfläche verbirgt, Namen, die sich über Jahrhunderte verformten, bis ihr ursprünglicher Sinn kaum noch zu erahnen ist. Ein Land, das seine Mystik nicht zur Schau stellt, sondern sie einem nur zugesteht, wenn man bereit ist, sich selbst durch Wald und Windbruch zu ihr vorzuarbeiten.
Was folgt, sind die einzelnen Orte meiner Besichtigungen im Kreis Bad Dürkheim – Steine, Hügel und Wege, an denen sich, wie ich mehr als einmal spürte, das Alte noch immer regt, leise genug, dass man es leicht überhören könnte, und beharrlich genug, dass es niemand ganz zum Schweigen bringen konnte.
