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Rheinland-Pfalz - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Rheinland-Pfalz

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Rheinland-Pfalz ist ein Land, das sich nicht auf einen Blick erschließt. Es besteht aus Weinbergen und Wäldern, aus Flusstälern und Hochflächen, aus Rheinhessens sanften Hügeln, dem Pfälzerwald, den Höhen des Hunsrücks, den Schleifen der Mosel und den rauen Weiten der Eifel. Und unter all dieser Verschiedenheit liegt etwas Gemeinsames, das ich erst auf meinen Reisen verstanden habe: Dieses Land ist eines der ältesten Siedlungsländer Mitteleuropas, und nirgends sonst sind mir so viele Zeiten auf so engem Raum begegnet, nicht nacheinander, sondern übereinander.

In Rheinhessen und der Pfalz stehen die Steine, die man Menhire oder Hinkelsteine nennt, oft mitten in Feldern. Der Stein ohne Namen von Gumbsheim wurde in unserer eigenen Zeit zweimal von Maschinen gebrochen, der Lange Stein von Bornheim markiert eine Grenze, die älter ist als jede Urkunde, der Fliegenstein bei Wattenheim gewährte im Mittelalter Flüchtenden Zuflucht auf einem keltischen Grabhügel, und der Lange Stein von Mittelbrunn steht auf einem Höhenweg, den schon vorrömische Menschen gingen, so geschützt vom Weizen, dass man ihn im Sommer nur aus der Ferne sieht. An der Nahe liegen Urgestein und Heiligkeit dicht beieinander: der dreihundert Millionen Jahre alte Langenstein bei Bärweiler und der Disibodenberg, auf dem Kelten, Römer und Mönche denselben Berg verehrten und eine junge Hildegard von Bingen ihre Visionen empfing.

An der Mosel und im Hunsrück wird das Bild dichter. In Wintrich, Büdlich, Enkirch, Monzelfeld, Bruch und Schönberg stehen Steine, die Kinder als Spielplatz nutzten, die man in Weinberge versetzte oder, wie den Teufelsstein, einem betrogenen Teufel zuschrieb. Der Archäologiepark Belginum zeigt, wie die Kelten ihre Toten ehrten, die Villa von Mehring und die Kaiservilla von Konz, wo Valentinian I. im Jahr 371 Gesetze unterschrieb, zeigen, wie die Römer an dieser Landschaft Gefallen fanden. Der Eselstratt bei Trittenheim trägt den Hufabdruck einer Legende, und die Drei Mörder bei Holzerath sind in Wahrheit die Reste eines jungsteinzeitlichen Grabes. Bei Kordel suchen Menschen seit der Altsteinzeit Zuflucht in Höhlen, die man nach einer erfundenen Heiligen benannte und in denen vielleicht ein Eremit lebte, dessen Gesichter noch heute aus der Wand blicken.

Am dichtesten aber sind die Spuren im Südwesten, im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Rund um Bollendorf und das Ferschweiler Plateau stehen Steine, die Druidenstein, Fraubillenkreuz oder Opferaltar heißen und von denen kaum einer das ist, wofür man ihn hielt. In Eschfeld und Binscheid erzählt man von Menhiren, die ein Heiliger zu Taufsteinen meißelte, die Forschung aber sieht romanische Gefäße aus Arkose. Römische Villen, ein Diana-Denkmal im Wald, eine Felsenklause über der Sauer und ein Weissenstein, an dem einst eine Tafel für fünf Erschossene hing, zeigen, wie viele Schichten an einem einzigen Ort liegen können. Im Vulkaneifelkreis, im Donnersbergkreis und rund um Kaiserslautern setzt sich das fort: ein Hunnenstein, nach dem Schatzgräber suchten, ein Wack, den man auf einen Parkplatz umsetzte, und ein Menhir, der Hühner piepen lässt, wenn man dem Dorfscherz glaubt.

Was mich auf dieser Reise am meisten beschäftigt hat, ist weniger das, was wir wissen, als das, was offenbleibt. Fast jeder dieser Steine trägt ein Fragezeichen: Ist er ein Menhir, ein Grenzstein, ein Grabdenkmal, ein Taufbecken, ein Block aus dem Steinbruch? Fast jede Legende erweist sich als jünger als der Ort, den sie erklärt. Und doch stehen die Steine da, liegen die Mauern da, und die Höhlen halten ihre Gesichter hin. Rheinland-Pfalz hat mir gezeigt, dass Geschichte nicht dort am stärksten ist, wo sie am besten belegt wird, sondern dort, wo Menschen über Jahrtausende immer wieder dieselben Stellen für wichtig hielten.

Was folgt, sind die einzelnen Orte meiner Besuche in Rheinland-Pfalz, nach Landkreisen geordnet: Steine, Villen, Klöster und Höhlen, die auf ihre eigene Weise von dem erzählen, was sich unter der sichtbaren Landschaft sammelt.
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