Wetzstein bei Aßweiler
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Aßweiler liegt im Bliesgau, am Fuß des Hölschbergs, ein kleiner Ort im Saarpfalz-Kreis, dessen Felder sich weit über die Hügel ziehen. Als ich den Stein besuchte, stand das Getreide hoch und gelb, und er ragte mitten daraus hervor, als wäre er ein Teil des Ackers geworden. Ein einzelner, aufrechter Pfeiler aus grau-braunem Gestein, schmal und leicht nach oben zulaufend, mit einem abgerundeten Kopf, auf dem gelbe Flechten wie kleine Münzen sitzen. Im Hintergrund, über den Ähren, stand ein Strommast gegen den blassen Himmel. Das alte Zeichen und die moderne Leitung standen sich gegenüber, und keines schien das andere zu stören.
Das Erste, was mir an ihm auffiel, waren die Spuren. Auf der oberen Hälfte der Vorderseite verlaufen zwei schräge, glatte Rillen von links oben nach rechts unten, scharf und sauber in den Stein geschnitten, daneben kürzere Ritzungen und eine senkrechte Linie, die sich wie ein Strich zu einer Schrift anfühlen, die ich nicht lesen kann. Auf der linken Seite sitzt eine flache, ausgehöhlte Mulde, als hätte jemand mit der Hand ein Stück herausgedrückt, und am Fuß hat sich Moos in einem dichten, dunkelgrünen Polster gesammelt. Die Oberfläche ist narbig und verwittert, an manchen Stellen fast samtig, an anderen rau wie Rinde. Ich legte die Hand darauf und spürte, dass der Stein nicht kalt war, sondern warm von der Sonne, die den ganzen Vormittag auf dem Feld gelegen hatte.
Der Name Wetzstein liegt bei diesen Rillen nahe. Ich kann nicht beweisen, dass sie von Menschen stammen, die hier Werkzeuge schärften, und ich möchte es nicht behaupten. Aber in dieser Gegend erzählt man sich ohnehin von Wetzsteinen: Der Spellenstein in Rentrisch soll der Wetzstein des Riesen Kreuzmann sein, und der Gollenstein bei Blieskastel heißt im Volksmund Wetzstein des Riesen Goliath. Auch hier schien mir, als sei ein Stein, der mit solchen Rillen übersät ist, einem Riesen näher als einem Menschen. Die Menschen deuten, was sie nicht erklären können, und sie tun es seit Jahrhunderten mit denselben Bildern.
Es könnte ebenso ein Grenzstein sein. Aßweiler hat eine Geschichte voller Streit um Bann und Grenzen: Im Jahr 1783 zählte der Ort erst zehn Einwohner, und weil die Banngrenzen noch nicht klar geregelt waren, kam es zu heftigen Dorffehden, auch mit dem benachbarten Niederwürzbach. Ein aufrechter Stein auf einer Flurgrenze wäre in einer solchen Zeit nichts Seltsames gewesen, und er hätte, wie so viele Steine dieser Reise, Spuren von Händen, Wetter und Absichten angesammelt. Ob er älter ist, vielleicht ein vorgeschichtlicher Menhir, kann ich aus dem Anblick nicht sagen.
Ich blieb eine Weile im Feldweg stehen. Es war still, bis auf den Wind in den Halmen, der sich als leises Rascheln durch das Getreide zog, und ab und zu das Summen der Leitung über mir. Der Stein stand reglos zwischen den Ähren, die sich um ihn wiegten, als würden sie ihn umspülen. Ich hatte, wie schon in Mittelbrunn, das Gefühl, dass er nicht bewacht, sondern geduldet wird, von Menschen, die jedes Jahr um ihn herum säen und ernten, ohne dass je jemand angeordnet hätte, ihn zu schonen.
Als ich ging, drehte ich mich noch einmal um. Das Licht war weicher geworden, und die Rillen auf seiner Oberseite warfen feine Schatten, sodass die Zeichen deutlicher hervortraten als zuvor. Der Stein sah mir nach, so wie er allen nachsieht, die vorübergehen, und sagte nichts.