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Heilige Felsen - Dassa - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Heilige Felsen - Dassa

Reisen > Benin
Es gibt einunddvierzig Hügel, die sich über Dassa-Zoumé im Herzen Benins erheben, graue Granitrücken, die wie schlafende Riesen aus der Savanne wachsen – und einer von ihnen verlangt, dass man ihm anders begegnet als jedem gewöhnlichen Berg. Man betritt ihn nicht in Schuhen. Man betritt ihn, wie man einen Tempel betritt: mit nackten Sohlen auf nacktem Stein, damit nichts zwischen einem selbst und dem liegt, was hier seit Jahrhunderten verehrt wird.

Dassa-Zoumé ist eine Stadt dreier Welten, wie mir mein Führer erklärte, während wir am Fuß des Felsens standen und ich meine Schuhe auszog. Hier regierte einst eine Yoruba-Königsdynastie, die Djagun, deren Ahnen bis ins vierzehnte Jahrhundert zurückreichen; hier werden bis heute, am Fuß der Hügel, Vodun-Rituale vollzogen, Zeremonien für Könige und Prinzen, die seit Generationen ungebrochen fortleben; und hier, in einer Grotte tief im Stein, verehren Zehntausende katholische Pilger alljährlich am fünfzehnten August eine Marienerscheinung – drei Glaubenswelten, die sich nicht bekämpfen, sondern auf demselben heiligen Fels nebeneinander atmen, als hätte der Berg selbst genug Raum für jeden, der ihn ehrfürchtig betritt.

Der Aufstieg begann warm unter meinen Fußsohlen, der Stein von der Vormittagssonne bereits erhitzt, glatt an manchen Stellen wie poliert von unzähligen Füßen, die vor mir denselben Weg gegangen waren. Barfuß zu klettern bedeutet, jede Rille, jede Unebenheit des Felsens zu spüren, sich dem Berg auf eine Weise auszuliefern, die kein Schuh je erlauben würde – ein Zeichen der Demut, wie man mir sagte, aber auch etwas anderes, etwas, das ich erst begriff, als ich auf halber Höhe innehielt und spürte, wie die Wärme des Steins durch meine Fußsohlen hindurch in mich hineinzukriechen schien, als würde der Berg mich Schritt für Schritt kennenlernen.
Am Wegesrand lagen Fetische, klein und unscheinbar zwischen den Felsspalten verborgen, Opfergaben, die dort seit Wochen, vielleicht Monaten lagen, gebleicht und verwittert, aber nie entfernt. Niemand berührte sie. Niemand sprach laut in ihrer Nähe.

Oben angekommen, den Atem noch immer schwer vom Aufstieg, durfte ich den Tempel auf dem Gipfel betreten – einen Raum, in dem bemalte Holzstatuen früherer Könige standen, ihre Farben von Rauch und Zeit gedämpft, ihre geschnitzten Augen auf einen Punkt gerichtet, den nur sie zu kennen schienen. Die Luft im Inneren war kühl, fast feucht, ein seltsamer Kontrast zur glühenden Hitze draußen, als hätte der Berg dort oben sein eigenes, unabhängiges Klima geschaffen – ein Ort außerhalb der gewöhnlichen Zeit. Draußen warteten die Überreste von Opferzeremonien - ausgebleichte Knochen. Kalebassen lagen bereit, Trommeln lehnten an der Wand, bereit, für die nächste Zeremonie erweckt zu werden, und über allem lag ein Geruch aus Räucherwerk und feuchtem Stein, der sich in meiner Kleidung festsetzte und mich noch tagelang begleitete.

Ich stand still vor den geschnitzten Königen, meine bloßen Füße auf dem kühlen Felsboden des Tempels, und spürte, wie das Herzklopfen des Aufstiegs langsam in etwas anderes überging – eine Art Stille, die nicht aus mir selbst kam, sondern aus dem Stein aufzusteigen schien, aus den Jahrhunderten, die dieser Fels bereits gesehen hatte, aus jedem bloßen Fuß, der vor mir hier oben gestanden hatte, in demselben ehrfürchtigen Schweigen.

Als ich den Abstieg antrat, die Sonne inzwischen tiefer und der Stein unter meinen Sohlen kühler geworden, wusste ich, dass ich etwas mit hinuntertrug, das sich nicht in Worte fassen ließ – ein Gewicht, das keines war, eine Nähe zu etwas Altem, das mich, wie ich seither vermute, nicht ganz mehr losgelassen hat. Manche Berge, so scheint mir, lässt man nicht einfach hinter sich. Man trägt sie in den Fußsohlen weiter, lange nachdem man wieder Schuhe angezogen hat.
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