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Langenstein Wallersheim - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Langenstein Wallersheim

Reisen > Deutschland > Rheinland-Pfalz > Eifelkreis Bitburg-Prüm
Wallersheim liegt etwa acht Kilometer östlich von Prüm, ein kleines Eifeldorf in einer weiten, offenen Landschaft. Nordwestlich des Ortes steigt das Gelände steil an, und dort oben, auf einer leichten Anhöhe, steht er: der Langstein, der Menhir von Wallersheim. Ich ging von der Landstraße, die nach Fleringen führt, die letzten Meter über das Ödland und fand ihn schon von Weitem. Er fällt auch aus der Ferne immer wieder ins Auge, obwohl er nicht auf dem höchsten Punkt steht, sondern auf dem westlichen Ausläufer, und deshalb zeigt er sich dem, der von Osten kommt, erst spät, wie jemand, der wartet, bis man ihn gefunden hat.

Der Stein ist eine unbearbeitete, pyramidenförmige Kalkplatte, 1,60 Meter hoch, unten 85 Zentimeter breit und oben nur noch 24 Zentimeter, bei einer Dicke von etwa 30 Zentimetern. Mit ihrer Breitseite blicken die Flächen nach Norden und Süden. Er ist grau verwittert, mit Moos und Flechten bedeckt und von einer Holzumzäunung umgeben, und aus der Ferne wirkt er wie eine schlanke Säule. Aus der Nähe sieht man, wie zerfurcht seine Oberfläche ist. Die Seite, die dem Dorf zugewandt ist, ist deutlich glatter als der Rest, als hätte jemand, vielleicht der Wind, vielleicht eine Hand, ihr über die Jahrhunderte etwas abgenommen.

Dann geschah, was manchen Besuchern geschieht. Im oberen rechten Teil der Spitze glaubte ich plötzlich ein Gesicht zu sehen, einen Kopf mit zwei Augen. Es war nur ein Zusammenspiel von Moos, Rissen und Schatten, und mir ist bewusst, dass man mit etwas Phantasie in jedem Stein ein Gesicht findet. Aber ich konnte es nicht mehr nicht sehen. Von da an hatte der Menhir den Blick auf das Dorf gerichtet, auf Wallersheim, das man von hier aus bis in die Straßen hinabsehen kann.

Die Leute im Ort nennen ihn Ladsteinchen oder Lahnstein, vermutlich eine mundartliche Abwandlung von Langsteinchen, das Wort für einen kleinen Langen Stein. Und sie erzählen sich etwas über ihn. Das Lahnsteinchen sei für einen schwedischen Feldherrn aufgerichtet worden, und etwas weiter westlich habe man den Grabhügel des Schweden gezeigt, der 1820 zerstört wurde. Das hat mich beschäftigt. Die Schweden zogen im Dreißigjährigen Krieg durch dieses Land, der Menhir aber ist, wenn er einer ist, Jahrtausende älter. Und doch hat die Volksüberlieferung ihm einen Toten gegeben, so wie sie es auch an anderen Orten getan hat. Der Gedanke, dass ein Stein ein Grab bezeichnet, scheint tiefer zu sitzen als jede Datierung, und man hat ihm einfach den Toten zugeordnet, den man kannte.

Der wissenschaftliche Befund ist nüchterner. Der Stein gilt als ein vermutlich spätneolithisches Zeugnis der in Westeuropa verbreiteten Megalithkultur, gestützt auf den typischen Befund: unbearbeitete Platte, aufgestellt an einer Anhöhe, umgeben von einer leichten Erhöhung im Boden und von aufgelesenen Feldsteinen. Möglich ist auch, dass er aus den nahen Kalksteinbrüchen hierher geschleift wurde. Auffällig ist, dass die Banngrenze zwischen Wallersheim und Fleringen etwa 200 Meter weiter westlich an der Straßenkreuzung verläuft, was für einen Menhir, der später als Grenzstein diente, ungewöhnlich ist. Er markiert also keine Grenze, oder er markierte sie nicht mehr, als man sie neu zog. Etwa vierzig Schritte westlich führt ein Feldweg vorbei, und die Grenze zwischen Acker und Ödland verläuft mitten durch die flache Erhebung um den Stein.

Ich blieb sehr lange an der Umzäunung stehen. Es wehte ein kühler Wind über die Anhöhe, und die Wolken zogen schnell. Der Stein stand reglos, das Gesicht im Moos dem Dorf zugewandt, und ich dachte, dass er vielleicht deshalb so beständig wirkt, weil er so viele Geschichten ertragen hat: den Toten der Jungsteinzeit, den Schweden, die Grenzen, die Steinbrüche. Keine davon hat ihn verändert. Als ich ging, drehte ich mich noch einmal um, und es kam mir vor, als folgten mir die beiden Augen im Moos.
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