Villa Rustica in Mehring
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Mehring liegt an der Mosel, ein Weinort auf der Römischen Weinstraße, und mitten in diesem Dorf, nicht am Waldrand und nicht auf einem Hügel, steht ein römisches Herrenhaus. Ich kam mit dem Rad über den Mosel-Radweg, dessen dritter Abschnitt hier endet, und fand die Villa in der Bachstraße zwischen Häusern, Gärten und Weinstöcken, als hätte sie sich nie von dort entfernt. Das Merkwürdige an ihr ist, dass sie nicht wie eine Ruine wirkt, sondern wie ein Haus, das gerade seine Bewohner verloren hat.
Es wurde in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts errichtet und in den folgenden Jahrhunderten immer wieder erweitert, bis es im dritten und vierten Jahrhundert eine Grundfläche von 48 mal 29 Metern und vierunddreißig Räume hatte. Damit gehörte es zu den größeren Herrenhäusern im Umland von Augusta Treverorum, dem römischen Trier. Rekonstruiert ist heute vor allem die Hauptfront: zwei kubische Eckbauten, die Risalite, mit einer Säulenhalle dazwischen, der Portikus. Ich stand davor, im gleichmäßigen Licht eines späten Nachmittags, und die Säulen warfen lange Schatten über den Boden, die sich wie Finger zum Eingang hin streckten.
Dass die Villa überhaupt zu sehen ist, grenzt an Zufall. Schon seit dem frühen 19. Jahrhundert wusste man, dass südöstlich von Mehring eine ausgedehnte römische Siedlungsstelle lag, und interessierte Laien gruben immer wieder dort, zum Leidwesen der heutigen Forschung, denn sie brachen die Mauern meist vollständig aus. Die genaue Fundstelle geriet in Vergessenheit. Erst im Herbst 1982 stieß ein Landwirt, der nach einer Flurbereinigung sein neues Feld umpflügte, auf große Sandsteinblöcke. Da die Reste durch Baumaßnahmen und neue Rebflächen unmittelbar gefährdet waren, begann man noch im November mit Probegrabungen und stellte rasch fest, dass man das Herrenhaus eines römischen Gutshofs gefunden hatte. Zwischen 1983 und 1987 wurde es freigelegt, gesichert und teilweise rekonstruiert. Ich dachte daran, wie knapp es gewesen sein muss: ein Pflug, ein Zufall, ein Winter, und das Haus wäre unter Reben verschwunden.
Man sieht heute die Hauptfront, einen beheizbaren Wohnraum mit Mosaik und Teile des Badetraktes. Reste eines mehrfarbigen Fußbodenmosaiks und einer Wandverkleidung aus schwarzem Marmor erzählen von der Pracht der Räume. Ich beugte mich über das Mosaik und sah die kleinen Steinchen in Rot, Ocker und Grau, noch immer zu Mustern geordnet, an manchen Stellen ausgebrochen, an anderen von einer Genauigkeit, die in Stein gesetzt auf zweitausend Jahre berechnet schien. Man weiß zudem, dass die Wände bemalt waren und dass man für ihre Verkleidung Material verwendete, das hier niemand erwartet: grünen Diorit aus den kaiserlichen Steinbrüchen im oberen Ägypten, derselbe Stein, den man auch im Vorraum der Konstantinbasilika in Trier fand.
Das Leben in diesem Haus muss das eines Menschen gewesen sein, der es sich leisten konnte. Man trank aus kleinen Bronzebechern und aß von dunkelblauen Tellern mit goldenen Weinranken. Ein silberner Ohrlöffel diente der Körperpflege. Und das Bad hatte seine eigene Wasserleitung, die noch heute den Dorfbrunnen speist, auch wenn sie, wie es heißt, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Wer eine ähnliche römische Wasserleitung begehen möchte, kann nach Pölich fahren. Ich stellte mir vor, wie das Wasser seit fast zwei Jahrtausenden durch dieselbe Leitung läuft, und wie die Menschen von Mehring, ohne es zu wissen, noch immer aus einer römischen Quelle trinken.
Was für Menschen waren das, die sich hier einrichteten? Das ist die Frage, die mich nicht losließ. Gegenüber den bescheidenen Gutshöfen in Bollendorf und Holsthum, die ich zuvor besucht hatte, ist Mehring von einem ganz anderen Rang, mit Marmor, Diorit, Mosaiken und Silber. Es gehörte jemandem, der Beziehungen hatte, vielleicht zum Kaiserhof in Trier, und der sein Vermögen in dieses Haus an der Mosel steckte. Der Name dieses Mannes oder dieser Frau ist nicht überliefert. Von dem Reichtum blieben ein paar Steinchen, ein Brunnen und ein Haus ohne Dach.
Die Villa ist frei zugänglich, und am Abend wird sie beleuchtet, sodass man auch spät noch etwas sieht. Ich blieb, bis die Lichter angingen, und sah, wie die Säulen aus der Dämmerung traten, gelb angestrahlt, mit scharfen Schatten dazwischen. Von der Mosel kam ein kühler Wind herauf, und in einem der Gärten schlug ein Hund an. Es war ein sehr friedlicher Ort, und zugleich lag etwas Erwartungsvolles in der Luft, als wartete das Haus darauf, dass jemand vom Feld heimkehrt.
Als ich ging, blickte ich noch einmal zurück. Die Villa stand hell im Dunkel, ein Stück Antike in einem Dorf aus Fachwerk und Wein, und ich dachte, dass das Alte nirgends besser aufgehoben ist als dort, wo man es täglich sieht und kaum noch bemerkt.