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Ollantaytambo - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Ollantaytambo

Reisen > Peru
Zwischen den steilen Bergen des Heiligen Tals erhebt sich Ollantaytambo wie eine gewaltige Treppe zum Himmel. Terrassen ziehen sich über den Hang, schmale Durchgänge führen zwischen mächtigen Steinwänden hindurch. Sonnenlicht wandert über behauene Flächen, während in den tiefer gelegenen Anlagen Wasser durch steinerne Rinnen fließt. Für mich liegt der Zauber dieses Ortes in diesem Zusammenspiel: Die Mauern scheinen die Zeit festzuhalten, das Wasser trägt sie unaufhörlich weiter.

Ollantaytambo liegt in der peruanischen Region Cusco, nahe dem Zusammenfluss von Patakancha und Urubamba. Seinen monumentalen Ausbau verdankt der Ort vor allem der Inkazeit im 15. Jahrhundert und dem Herrscher Pachacútec. Hier verbanden sich religiöse, landwirtschaftliche und administrative Aufgaben. Terrassen, Speicher, Wohnbereiche und Heiligtümer gehörten zu einer sorgfältig geplanten Anlage, die später auch Manco Inca während des Widerstands gegen die spanischen Eroberer als Stützpunkt diente.

Über steile Treppen gelangt man hinauf zu den monumentalen Mauern des Tempelbereichs. Besonders eindrucksvoll ist die Wand aus sechs gewaltigen, aufrechtstehenden Steinblöcken im sogenannten Sonnentempel. Schmale Zwischensteine verbinden die Monolithen; auf ihren Oberflächen haben sich Reste geometrischer Bearbeitungen erhalten. Vor dieser Wand wirken die Menschen klein. Die rötlichen Steine stehen im Licht, als bewachten sie etwas, dessen Bedeutung sich nur noch in Bruchstücken erschließen lässt.

Die Präzision dieser Arbeiten zeugt von außergewöhnlichem handwerklichem Können. Untersuchungen des Bauforschers Jean-Pierre Protzen an Steinbrüchen und Mauerwerk sowie praktische Versuche zeigen, wie sich die Steine mit Schlagsteinen bearbeiten und durch wiederholtes Anpassen passgenau zusammenfügen ließen. Gerade das Wissen um diese menschliche Arbeit verstärkt für mich die Wirkung der Anlage: Hinter jeder Fläche stehen Erfahrung, Geduld und zahllose einzelne Schläge.
Am Fuß des Tempelberges verändert sich die Atmosphäre. Zwischen Mauern und Felsblöcken rücken die Brunnen, Wasserbecken und Kanäle in den Mittelpunkt. Auf meinen Bildern fällt das Wasser in schmalen Strahlen über dunklen Stein, sammelt sich in Becken und verschwindet wieder in Rinnen. Durch eine Maueröffnung fällt der Blick auf den Himmel und die Berge. Hier bekommt selbst das leise Plätschern etwas Feierliches.

Die Wasseranlagen sind archäologisch und technisch untersucht. Besonders der Bereich Incamisana wird als Wasserheiligtum verstanden: Terrassen, bearbeitete Felsen, Brunnen und Kanäle bildeten einen Zusammenhang, in dem Wasser auch Gegenstand religiöser Verehrung war. Das Wright Paleohydrological Institute erforschte gemeinsam mit Fachleuten der University of Virginia die Wasserführung und die Versorgung aus der umliegenden Berglandschaft. Die kunstvolle Gestaltung verband praktische Wasserbaukunst mit zeremoniellen Aufgaben.

Besonders zieht mich der Baño de la Ñusta, das sogenannte „Bad der Prinzessin“, an. Ein fein gearbeitetes Stufenmotiv rahmt die Stelle, über die das Wasser hinabfällt. Das peruanische Denkmalinventar beschreibt diesen Brunnen als zeremonielle Anlage und unterscheidet zugleich zwischen rituell genutzten Wasserstellen und solchen für den täglichen Bedarf. Der romantische Name allein verrät allerdings noch nicht, wer hier tatsächlich welche Handlungen vollzog.
Auch die sichtbaren Ruinen besitzen eine jüngere Geschichte. Teile der unteren Anlagen wurden insbesondere zwischen 1980 und 1982 freigelegt und restauriert. Ihr heutiges Erscheinungsbild trägt deshalb neben den Spuren der Inka auch die Entscheidungen späterer Denkmalpflege. Das gilt ebenso für Teile der Brunnenanlagen.

Für meine Fantasie bleiben vor allem die Wasserstellen lebendig. Das Licht auf einer nassen Steinkante, ein dunkles Becken, das gleichmäßige Fallen eines Wasserstrahls: Daraus kann der Anfang einer Geschichte entstehen. Ich stelle mir vor, wie jemand hier innehält und im Plätschern plötzlich einen vertrauten Namen zu hören glaubt. Die Archäologie erschließt die gebauten Wege des Wassers. Meine Geschichten beginnen dort, wo ein Mensch stehen bleibt und lauscht.
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