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Hunnenstein Betteldorf - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Hunnenstein Betteldorf

Reisen > Deutschland > Rheinland-Pfalz > Vulkaneifel
Betteldorf liegt in der Hohen Eifel, auf gut 540 Metern, am Fuß des Döhmberges, etwa elf Kilometer nordwestlich von Daun: ein Dorf mit gut zweihundert Einwohnern, durch das einst die Eifelquerbahn fuhr. Wer von der Kapelle aus nach Norden geht, überquert die ehemalige Bahntrasse und folgt einem Pfad am Gemeindewald entlang, östlich des Weges nach Zilsdorf. Nach etwa siebenhundertfünfzig Metern, an einer Stelle, die in alten Beschreibungen „Hunnerich” genannt wird, liegt am Waldrand der Stein, den man den Hunnenstein oder Hünenstein nennt.

Er ist nicht groß, und er ist nicht leicht zu deuten. Die Angaben dazu weichen voneinander ab. Eine ältere Beschreibung spricht von einem Block von 1,2 Metern Höhe, einem Meter Breite und einem halben Meter Dicke, eine andere von 1,50 Metern Höhe, zwei Metern Breite und fünfzig Zentimetern Dicke. Auch beim Gestein sind sich die Quellen nicht einig: Mal heißt es Lavablock, mal Kalksteinblock. Ich stand davor und hätte weder das eine noch das andere beschwören können. Was ich sah, war ein dunkler, rauer Brocken, der auf einer flachen, hügelartigen Erhebung ruht, die von Westen am auffälligsten wirkt und nach Norden und Osten sanft in den Waldboden übergeht, etwa fünf Meter entfernt. Man hat den Eindruck, der Stein sei nicht einfach hingelegt, sondern auf etwas gesetzt worden.

Der Name führt in eine andere Richtung als die Wissenschaft. Hunnenstein oder Hünenstein bedeutet Riesenstein: Die Menschen früherer Zeiten konnten sich nicht vorstellen, dass gewöhnliche Hände solche Blöcke bewegen, und schrieben sie Riesen oder, wie hier, den Hunnen zu, jenem Volk, das in der Erinnerung der Eifel für alles Alte und Furchteinflößende steht. Aus Hünenstein wurde in vielen Landschaften Hühnerstein und schließlich Hinkelstein. Dieser hier hat sich den älteren Namen bewahrt, und mir gefiel das: Er klingt nach Geschichten, die man erzählt, wenn man abends nicht mehr weiß, wer die Steine gesetzt hat.

Dass der Stein eine besondere Aura hat, wussten auch andere, und nicht immer zu seinem Besten. Als er 1938 in das Naturdenkmalbuch des Kreises Daun eingetragen und damit unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gestellt wurde, haben Schatzgräber noch in derselben Zeit nachts in seiner nächsten Umgebung gegraben, wie die Dokumentation vermerkt, allerdings erfolglos. Ich stellte mir das vor: Männer mit Spaten und Laternen im dunklen Wald, die unter einem Stein suchen, weil ein Name wie Hunnenstein nach Gold klingt. Gefunden haben sie nichts, jedenfalls nichts, das sie hätten mitnehmen können. Die Archäologen haben ebenfalls bei Grabungen in der nächsten Umgebung solcher Steine noch nichts gefunden, das einen Anhalt über ihre Bedeutung gäbe.

Und so bleibt der Hunnenstein, was er ist: „wahrscheinlich ein alter Hinkelstein oder auch Menhir”, wie es vorsichtig heißt, möglicherweise ein Menhir, wie die Liste der Naturdenkmale schreibt. Ich schätze diese Zurückhaltung. Ein Stein, dessen Bedeutung sich nicht belegen lässt, zwingt zum Hinsehen, und ich sah ihn mir lange an: die Furchen in der Oberfläche, das Moos an der Nordseite, die Art, wie er sich ein wenig zum Weg hin neigt, als horche er.

Es war ein klarer Tag, und der Wald war voller Geräusche, die man erst bemerkt, wenn man stillsteht: ein Specht, das Knacken eines Astes, der Wind in den Wipfeln. Die Hohe Eifel ist rau und weit, und in dieser Weite wirkte der Stein sehr klein und sehr bestimmt zugleich. Nicht weit von hier, in der Nähe des Hermannbrunnens, soll er einst in einer Waldecke gestanden haben, und ich ging ein Stück in die Richtung, ohne den Brunnen zu finden.

Als ich zurückkehrte, hatte sich das Licht verändert. Es fiel schräg durch die Äste und legte einen hellen Streifen über den Block, der ihn für einen Augenblick wie ein Tier aussehen ließ, das im Gras ruht. Ich legte die Hand auf seine Oberseite, kühl und rau, und dachte an die Schatzgräber, die nichts fanden, und an die Hunnen, die nie hier waren. Vielleicht liegt der eigentliche Schatz darin, dass ein Stein so viele Geschichten tragen kann, ohne eine einzige zu bestätigen.
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