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Christianisierter Menhir von Oberlöstern - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Christianisierter Menhir von Oberlöstern

Reisen > Deutschland > Saarland > Merzig-Wadern
Oberlöstern liegt im Löstertal, am südwestlichen Rand des Hunsrücks, ein Ortsteil der Stadt Wadern im Saarland, wo der Lösterbach durch grüne Wiesen fließt. Das Wappen des Tals zeigt eine römisch-keltische Graburne, und das ist kein Zufall: In dieser Gegend haben Archäologen gallorömische Gräber, einen Gutshof, einen Umgangstempel und gewaltige Grabhügel ausgegraben, und die Menschen hier leben, ohne es immer zu merken, über einer dicht besiedelten Vergangenheit. Ich kam an einem ruhigen Morgen und suchte nicht die Hügel, sondern einen Stein, der an einer Straßenecke im Ort steht, etwa anderthalb Meter hoch, unscheinbar zwischen Häusern.

Er ist, wenn man es so ausdrücken will, ein Stein mit wechselreicher Geschichte. Ursprünglich vermutlich ein Menhir, also ein aufgerichteter Stein aus vorgeschichtlicher Zeit, wurde er in römischer Zeit als Miliarium genutzt, als Meilenstein, der den Reisenden Entfernungen anzeigte. Später, in christlicher Zeit, versah man ihn mit einem Kreuz. Er ist also zugleich ein Zeichen der Vorzeit, der römischen Straßenordnung und des christlichen Glaubens, drei Schichten in einem einzigen Block. Eine Stelle verzeichnet ihn zudem als Grenzstein, und das passt zu allem anderen: Wer Wege und Besitz ordnen wollte, griff auf einen Stein zurück, der schon da war.

Ich stand davor und versuchte, die Spuren zu lesen. Das Kreuz ist das, was zuerst auffällt, ein Zeichen, das jemand in den Stein gesetzt hat, damit er ein anderer wird. Ich habe auf meiner Reise mehrfach gesehen, wie das Christentum mit alten Steinen umging: beim Fraubillenkreuz, das der Überlieferung nach der heilige Willibrord selbst zum Kreuz meißelte, bei den Taufsteinen von Eschfeld und Binscheid, die man für umgearbeitete Menhire hielt. Hier ist es ein Kreuz, schlicht und klar, das den Stein nicht verdrängt, sondern übernimmt. Wer ihn sah, sollte nicht mehr fragen, wem er einmal gehörte, sondern wem er jetzt zugehört.

Und der römische Teil seiner Geschichte ist in dieser Gegend besonders einleuchtend. Nahe Oberlöstern erheben sich zwei gallorömische Monumentalgrabhügel aus dem späten zweiten Jahrhundert, die an den Besitzer des örtlichen Gutshofs und seine Frau erinnern. Beiderseits eines etwa 7,5 Meter hohen steinernen Grabdenkmals errichtete man sie, und mit dem Gräberfeld, den Steinbrüchen, einem Umgangstempel und einer älteren Siedlung bilden sie ein Ensemble, in dem, wie es heißt, alte und neue Traditionen bis weit ins vierte Jahrhundert nebeneinander bestanden. Wenn ein Stein hier als Meilenstein diente, lag das nahe: Die Straße, der Hof, der Tempel, die Gräber gehörten zu einer Landschaft, die längst römisch geordnet war, ohne ihre keltischen Wurzeln zu verlieren.

Ich habe über diese Verbindung lange nachgedacht. Der Stein steht an einer Straßenecke, an der heute Autos abbiegen, und er hat vermutlich schon Wagen gesehen, deren Räder aus Holz und Eisen waren. Er hat die Meilen gezählt, als es römische Meilen gab, und er hat Kreuze getragen, als man sie als Schutz setzte. Dass er dabei ein Stein blieb, still und unverrückt, fand ich bemerkenswerter als jede einzelne seiner Rollen.

Ich legte die Hand auf das Kreuz, das sich unter den Fingern flach und leicht verwittert anfühlte. Es war ein ganz gewöhnlicher Morgen, in der Ferne hörte man einen Rasenmäher und das Rauschen des Bachs, und doch hatte ich einen Moment lang das Gefühl, dass der Stein diese Gegenwart nur duldete. Er hatte so viele Zeitalter hinter sich, dass ein Rasenmäher ihn kaum beeindruckte.

Als ich ging, drehte ich mich noch einmal um. Der Stein stand an seiner Ecke, grau und aufrecht, mit seinem Kreuz wie ein Mensch, der etwas bekennt, was er nicht erklären will. Ich dachte, dass es kein besseres Bild für dieses Land gibt: ein Zeichen, das jede Zeit für sich beansprucht hat, und das sich keiner ganz überlassen hat.
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