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Teufelsstein von Bruch - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Teufelsstein von Bruch

Reisen > Deutschland > Rheinland-Pfalz > Bernkastel-Wittlich
In einem Waldstück nur wenige hundert Meter westlich von Bruch, bereits auf dem Gemeindegebiet des benachbarten Arenrath, liegt ein Stein, dessen Name allein genügt, um jeden Wanderer innehalten zu lassen: der Teufelsstein. Ich fand ihn im Eifelwald, entlang des Eifelsteigs, dort, wo die Banngrenze zwischen Bruch und Arenrath verläuft – eine Grenze, die dieser Stein, wie ich später erfuhr, vermutlich schon lange vor jeder Legende markiert hatte.

Die Sage, die man sich hier erzählt, ist so anschaulich, dass ich sie fast vor mir sehen konnte, während ich vor dem gestürzten Koloss stand. Ein Baumeister aus dem nahen Klausen, so heißt es, habe den Teufel überredet, ihm beim Bau eines Gebäudes zu helfen – der Teufel im Glauben, es handle sich um ein Freudenhaus, ein Ort der Sünde, an dessen Errichtung er nur zu gern mitwirkte. In Wahrheit aber baute der schlaue Baumeister eine Wallfahrtskirche. Als der Teufel, mit dem tonnenschweren Stein für den Bau im Gepäck, die Wahrheit erkannte – dass er, der Fürst der Hölle höchstpersönlich, sich zum unfreiwilligen Helfer eines Gotteshauses hatte machen lassen –, packte ihn eine Wut, wie sie nur ein derart hintergangener Dämon empfinden kann. Er schleuderte den Stein zu Boden, dass die Erde dröhnte, und ließ ihn genau hier liegen, mitten im Wald zwischen Bruch und Arenrath, wo ich nun vor ihm kniete.

Der Stein selbst, aus Grauwacke oder Sandstein gefertigt – beides Gesteinsarten, die in dieser unmittelbaren Umgebung gar nicht natürlich vorkommen, ein weiteres kleines Rätsel, das die Legende nur noch unheimlicher macht –, misst 240 Zentimeter in der Länge, 120 in der Breite und 80 in der Tiefe. Pfeilerförmig liegt er heute am Boden, nicht mehr aufrecht, als hätte ihn tatsächlich ein zorniger Wurf gefällt und seither niemand gewagt, ihn wieder aufzurichten. An seiner Westseite fand ich die Vertiefung, von der man mir erzählt hatte: eine Einkerbung in Form eines deutschen „Z", die der Volksmund unweigerlich als Teufelspranke deutet – der Abdruck jener Klaue, mit der der Höllenfürst den Stein einst gepackt und zu Boden geschmettert haben soll. Ich fuhr mit den Fingerspitzen die Kontur dieser Vertiefung nach, kühl und glatt vom Regen unzähliger Jahrhunderte, und konnte mir, trotz aller Nüchternheit, die ich mir auf dieser Reise so oft auferlegt hatte, ein Frösteln nicht verkneifen.
Denn hinter der bildhaften Sage steht, wie so oft an diesen Orten, ein nüchternerer archäologischer Kern: Der Teufelsstein ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein einst von Menschenhand aufgerichteter Menhir, der in späterer Zeit als Grenzmarke diente – genau jene Banngrenze zwischen Bruch und Arenrath, an der er noch heute liegt. Ähnliche Erzählungen kennt man auch vom Trierer Domstein, was mich zu der Vermutung brachte, dass diese Geschichte vom betrogenen Teufel weniger eine originelle Erfindung war als vielmehr ein wiederkehrendes Erklärungsmuster – eine Art, wie christliche Erzähler über Generationen hinweg mit unbequemen, vorchristlichen Steinen umgingen, die sich weder erklären noch beseitigen ließen: Man machte den Teufel dafür verantwortlich, statt zuzugeben, dass die eigenen Vorfahren sie einst in ganz anderer Absicht aufgerichtet hatten.

Ich setzte mich für eine Weile auf einen umliegenden Baumstumpf, während das Licht durch das dichte Blätterdach des Eifelwalds fiel und über die liegende Steinmasse wanderte, die im gesprenkelten Schatten fast atmete. Es ist eine merkwürdige Ironie, dachte ich, dass ein Stein, der einst vielleicht als stiller Wächter einer heiligen Grenze aufgerichtet wurde, Jahrhunderte später zum Symbol eines gescheiterten teuflischen Betrugs umgedeutet wurde – als hätte die christliche Erzähltradition dem alten Menhir nicht seine Macht nehmen können, sondern ihm nur einen neuen, dramatischeren Herrn zugeschrieben, der ihn ebenso wenig zu bändigen vermochte, wie es die früheren Verehrer je gewollt hätten.

Als ich den Wald wieder verließ, den liegenden Teufelsstein hinter mir im Halbdunkel zurücklassend, dachte ich an das dröhnende Geräusch, mit dem er der Sage nach zu Boden geschleudert wurde, und daran, wie viele Jahrhunderte dieses Dröhnen wohl schon in den Erzählungen der Menschen nachhallt, die an ihm vorüberzogen. Manche Steine tragen ihre Geschichte in Stille. Dieser hier trägt sie in einem einzigen, eingekerbten Buchstaben – einem Z, das, wie ich seither vermute, weniger von der Wut eines betrogenen Teufels erzählt als von der unstillbaren menschlichen Sehnsucht, jedem unerklärlichen Stein am Wegesrand irgendeine Geschichte zu geben, und sei sie auch von der Hölle selbst.
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