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Herrgottstein von Mettlach - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Herrgottstein von Mettlach

Reisen > Deutschland > Saarland > Merzig-Wadern
Saarhölzbach liegt hoch über dem Mettlacher Tal, ein Dorf in einer Gegend, in der es, wie es in einer Ortsbeschreibung heißt, Steine und Felsen gibt wie kaum anderswo. Ich folgte dem sogenannten Kirchenweg von Saarhölzbach in Richtung Mettlach, bis fast an sein Ende, wo ein Feldweg scharf nach Westen abbiegt. Am Ende dieses Weges, auf einer ziemlich kugeligen Kuppe, liegt die Gemarkung Herrgottstein, und auf ihrer Spitze erkennt man schon von Weitem ein Kreuz. Ich blieb eine Weile am Fuß der Erhebung stehen, bevor ich hinaufstieg, wie ich es inzwischen bei fast jedem dieser Orte tue.

Der Name erklärt sich zuerst aus dem Kreuz. Aber es gibt noch eine Geschichte dazu, und sie ist so anschaulich, dass man sie fast sehen kann. Im Frühjahr 1351, so erzählt die Sage, kam Erzbischof und Kurfürst Balduin von Trier an die Saar, um den Raubritter Jakob von Montclair zu züchtigen. Er zog über die alte Trierer Straße, über Zerf und Greimerath, die breite Langenbergstraße hinunter und gelangte bis hierher, zum Herrgottstein. Das ganze Kriegsvolk bezog ein Lager, und von dieser Kuppe aus, so darf man annehmen, wurde der Angriffsplan überprüft. Man blieb bis zum nächsten Morgen. Noch vor Sonnenaufgang befahl Balduin, ein niedriges Felsplateau als Altar herzurichten, und las dort die heilige Messe im Beisein seiner ganzen Kriegerschar. Als die Sonne aufging, sah man in südwestlicher Richtung in der Ferne die trotzige Festung Montclair. Nach achtmonatiger Belagerung, so heißt es, kam das Raubnest in die Gewalt des Erzbischofs, und zur Erinnerung an jene Messe wurde auf dem Felsen das Kreuz errichtet.

Ich stand auf dem Plateau und versuchte, mir diesen Morgen vorzustellen: die Zelte im Gras, das Rauchen der Lagerfeuer, Rüstungen im Frühlicht, und ein Mann in kirchlichem Gewand, der vor Hunderten von Bewaffneten die Messe liest. Ob es sich so zugetragen hat, kann ich nicht belegen, und der Verfasser der Ortsbeschreibung formuliert selbst vorsichtig, was sicher sei und was man nur mit Sicherheit annehmen dürfe. Er fragt sogar, ob auf dem Herrgottstein nicht selbst einmal eine Burg stand, vielleicht zu Balduins Zeiten nur noch eine Ruine, und verweist auf einen Felsvorsprung nördlich davon, der Katzenkopf heißt. Ich fand die Frage schön, weil sie eine Sage nicht widerlegt, sondern um eine weitere Schicht ergänzt.

Denn der Fels selbst erzählt anderes. Wer sich ihm von der Rückseite nähert, sieht, dass er mit Zeichen bedeckt ist: schalenförmige Vertiefungen, Ringe, Muster, und eine Mulde, die man Rosstrappe nennt, den Abdruck eines Pferdehufs, und daneben eine Marke, die an einen Fußabdruck erinnert. Solche Näpfchen und Ringe kennt man als Felszeichen aus sehr alter Zeit, und ihre Bedeutung ist unbekannt. Ich beugte mich über sie, legte die Finger in eine der Schalen und spürte, wie glatt sie ist, vom Regen geglättet und vielleicht von vielen Händen. Dass hier ein Pferd gestanden haben soll, kennt man aus anderen Legenden. Am Eselstratt bei Trittenheim ist es ein Esel, auf dem eine Jungfrau floh, hier ein Pferd, und ich dachte, dass die Menschen offenbar jeden rätselhaften Abdruck in einem Stein mit einem Tier und einer Flucht erklären wollten.

Eine Wanderbeschreibung nennt den Herrgottstein sogar den ältesten bekannten Grenzstein weit und breit, und das würde zu einem Ort passen, der so offensichtlich Aufmerksamkeit anzieht. Das Kreuz auf der Spitze gehört vermutlich zu den jüngeren Zeichen. Wie bei so vielen Steinen dieser Reise lagern sich Schichten übereinander: ein Fels mit Schälchen und Ringen aus unbekannter Zeit, eine Grenzmarke, eine Legende vom Erzbischof und ein Kreuz, das alles zusammenhält.

Der Ausblick ist das, was man behält. Von hier sieht man ins Mettlacher Tal und weiter die Saar hinab bis zum Fuß des Vogelfelsens. Von allen Kuppen Saarhölzbachs hat man schöne Fernsichten, aber von dem wenig berührten Herrgottstein, so schreibt der Autor, sei der Blick besonders in der stillen Abendstunde ein Genuss. Ich blieb, bis die Sonne tiefer stand. Das Licht färbte das Tal in warmem Gold, im Westen glühte der Himmel, und unten wand sich die Saar wie ein dunkles Band. Es war sehr still, und ich verstand, warum ein Mann, der am nächsten Morgen in die Schlacht ziehen würde, ausgerechnet hier den Altar errichten ließ.

Als ich ging, blieb das Kreuz hinter mir auf der Kuppe, schwarz gegen den Abendhimmel, und der Fels darunter lag im Halbdunkel, mit seinen Schalen und Ringen und dem Hufabdruck, die niemand erklären kann. Ich dachte, dass dieser Ort zwei Arten von Geschichte hat: eine, die man erzählen kann, mit Jahreszahl, Erzbischof und Burg, und eine, die man nur ahnen kann, aus Vertiefungen im Stein, die älter sind als jede Messe.
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