Benin
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Es gibt Länder, die man nicht bereist, sondern betritt wie ein Geheimnis, das sich nur Stück für Stück preisgibt. Benin ist ein solches Land – die Wiege des Vodun, in der jede Hügelkuppe, jeder Lehmturm, jeder Schlangenleib eine eigene Geschichte trägt, älter als jede Kolonialgrenze, die man später über sie zog.
Meine Reise durch dieses Land führte mich zunächst in die Atakora-Berge, zu den Tata Somba der Betammaribe – kleine Lehmburgen mit Türmen und Kornspeichern, über deren niedrigen Eingängen Tierknochen im Wind klapperten wie ein Windspiel aus einer anderen Welt, während daneben Fetischkegel standen, dunkel verkrustet von Blut und Federn, kleine Verträge mit dem Unsichtbaren, täglich erneuert. Nicht weit davon, in den Bergen von Taneka, empfingen mich Fetischpriester in Ziegenfell und führten mich zu einer Geisterhütte und einem uralten Baobab, dessen Stamm ein weißes Band als heilig kennzeichnete – ein Baum, der, wie man mir sagte, alles hört, was an seinem Fuß gesprochen wird, und nichts vergisst.
Weiter südlich bestieg ich barfuß den heiligen Felsen von Dassa, einunddvierzig Hügel, auf denen sich Vodun, Königskult und Marienverehrung dasselbe Gestein teilen, und betrat auf dem Gipfel einen Tempel voller geschnitzter Königsstatuen, deren Augen auf einen Punkt gerichtet schienen, den nur sie kannten. Über dem stillen Wasser des Lac Nokoué, im schwebenden Pfahlbaudorf Ganvié, warf mir ein Bonoko zwischen Fetischköpfen und dem Plätschern des Sees seine Orakelketten – Schalen, die eine Antwort trugen, die tiefer traf, als ihre Stille es vermuten ließ.
Und schließlich, in Ouidah, wo einst die Sklavenschiffe warteten, wurde ich Zeuge, wie am zehnten Januar ein ganzes Land seine Ahnen offen ruft – Trommeln, Trance und Trauer, untrennbar verwoben am selben Strand, an dem Jahrhunderte zuvor Menschen für immer verschwanden. Nur wenige Schritte von der Kirche entfernt legte man mir dort, im Tempel der Pythons, eine lebendige Schlange um die Schultern, kühl und trägewellig, ein Wesen, das seit Jahrhunderten als Mittler zwischen den Welten verehrt wird.
Lehm, Fels, Wasser, Feuer, Schuppen – jeder Ort ein eigenes Element, jede Begegnung eine eigene Schwelle. Was sie eint, ist die Gewissheit, die sich in Benin nie ganz abschütteln lässt: dass die Toten hier nicht schweigen, sondern nur warten, bis man ihnen mit der nötigen Demut begegnet. Was folgt, sind die einzelnen Fäden dieser Reise – und wer ihnen genau folgt, kehrt, wie ich fürchte, nie ganz so zurück, wie er aufgebrochen ist.





