Menhire Archäologiepark Belginum
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Es gibt Museen, die man betritt, um Vitrinen zu betrachten, und es gibt solche, bei denen das eigentliche Museum draußen liegt, unter freiem Himmel, entlang eines Weges, der über zweitausend Jahre alte Erde führt. Der Archäologiepark Belginum bei Wederath im Hunsrück gehört zur zweiten Sorte. Ich folgte dem gut tausend Meter langen Rundweg, der parallel zur einstigen Römerstraße zwischen Trier und Mainz verläuft, jener berühmten Ausoniusstraße, an der sich nahezu tausend Jahre lang – von 600 vor bis 400 nach Christus – ununterbrochen Leben abspielte, und spürte mit jedem Schritt deutlicher, dass ich mich nicht durch eine Rekonstruktion bewegte, sondern über echten, historisch gewachsenen Boden.
Etwa fünfhundert Meter vom östlichen Ende der einstigen Siedlung entfernt erreichte ich das Gräberfeld von Belginum, das sich auf einem sanft nach Nordwesten geneigten Hang erstreckt. Ab 400 vor Christus schütteten die keltischen Bewohner hier zu beiden Seiten einer vierhundert Meter langen Straße ihre ersten Hügelgräber auf, ehe später ein Flachgräberfeld mit Brandbestattungen folgte – verbrannte Knochenreste, sorgsam mit Beigaben in Grabgruben niedergelegt, über zweieinhalbtausend Bestattungen insgesamt, ein ganzes Volk, das über Jahrhunderte hinweg an genau dieser Stelle seine Toten der Erde übergab.
Was mich am meisten fesselte, waren jedoch nicht die Hügel selbst, sondern das, was einst oberirdisch sichtbar machte, wer darunter ruhte: Hügel, mit Gräben eingefasste Familienbezirke, Grabplatten, steinerne Monumente – und, wie ich mit einem eigentümlichen Schauer las, einfache menhirähnliche Quarzite. Kleine, aufgerichtete Steine, unscheinbar neben den prächtigeren Grabmalen, doch mit derselben Geste errichtet, die ich bereits an den großen, einsamen Menhiren Rheinhessens und der Pfalz kennengelernt hatte: ein Stein als stellvertretende Gegenwart eines Menschen, der nicht mehr da war, aufgerichtet, damit die Lebenden wussten, wo sie ihre Toten suchen mussten. Hier, im Gräberfeld von Belginum, waren solche Steine nicht Kultobjekte für eine ganze Landschaft, sondern etwas Persönlicheres – individuelle Markierungen für einzelne Namen, die wir längst nicht mehr kennen.
Ich ging zwischen den teilrekonstruierten Grabhügeln hindurch, während der Wind über die offene Hochgebirgslandschaft strich und in der Ferne die bewaldeten Höhenzüge der Eifel sichtbar wurden, und dachte daran, wie viele Generationen von Kelten und späteren Romanisierten hier ihre eigene Sprache der Erinnerung entwickelten – Steine, die nicht die gewaltige, überzeitliche Wucht der großen Einzelmenhire besaßen, sondern eine leisere, häuslichere Funktion: nicht Verehrung eines fernen Unsichtbaren, sondern das schlichte Bedürfnis, dass ein Grab einen sichtbaren Namen behielt, auch wenn der Name selbst längst verklungen war.
Als die Siedlung Ende des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts begann, ihre Hügelsitte aufzugeben und stattdessen quadratische, ummauerte Grabgärten anzulegen, verschwand auch diese Art der Steinsetzung allmählich – ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte dieses Ortes, der Kelten und Römer, Krieger und Händler, Priester und Kinder gleichermaßen kommen und wieder vergehen sah, ehe die Germaneneinfälle die Siedlung schließlich zum Erliegen brachten und Belginum für mehr als sechzehnhundert Jahre unter der Erde verschwand.
Ich blieb vor einem jener kleinen, menhirähnlichen Quarzite stehen, die man im Rahmen der Teilrekonstruktion wieder aufgerichtet hatte, legte die Hand auf seine raue Oberfläche und dachte an all die Namen, die er einst markierte – Namen von Menschen, die an dieser Fernstraße lebten, handelten, glaubten und starben, deren einzige verbliebene Spur nun in einem sorgsam gepflegten Freilichtmuseum liegt, besucht von Reisenden wie mir, die versuchen, aus Stein und Erde etwas von ihrer verlorenen Gegenwart zurückzugewinnen. Es ist eine bescheidenere Mystik als jene der großen, allein stehenden Menhire, die ich zuvor besucht hatte – aber vielleicht gerade deshalb eine, die mich besonders berührte: das Wissen, dass hinter jedem dieser kleinen, unscheinbaren Steine einst ein einzelnes, unwiederbringliches Leben stand, dessen Namen der Stein trug, auch wenn wir ihn heute nicht mehr lesen können.