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Eselstratt bei Trittenheim - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Eselstratt bei Trittenheim

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Trittenheim liegt in einer der schönsten Schleifen der Mosel, ein Weinort mit rund tausend Einwohnern, überragt von Schieferfelsen und Reben. Die Wirte werben mit dem Satz „Trittenheim – tritt ein!”, und ich bin dieser Einladung gefolgt, allerdings nicht in den Ort, sondern hinauf. Vom Dorf aus führt der Weg zur Laurentiuskapelle und von dort nordwärts durch die Weinberge, vorbei am jüdischen Friedhof von Trittenheim, der hoch oben zwischen den Reben liegt, still und verwittert. Etwa anderthalb Kilometer nach der Kapelle, am Rand der Moselfelsen, links vom Weg in einem kleinen Wäldchen, steht er: der Eselstratt.

Man nennt ihn auch schlicht Hinkelstein, und er ist ein Menhir, etwa dreieinhalbtausend Jahre alt, wie es in den Beschreibungen heißt, errichtet von der Megalithkultur, die der Überlieferung nach aus der Bretagne in das Gebiet der Mittelmosel vordrang. Mich hat dieser Satz beschäftigt, ehe ich überhaupt vor dem Stein stand: ein Volk, das aus dem Westen kam, an einer Moselschleife Steine aufrichtete und verschwand. Ob es so war, kann ich nicht beurteilen. Aber der Stein steht genau an der Grenze der drei Gemeinden Trittenheim, Köwerich und Klüsserath, unmittelbar am alten Pilgerweg nach Klausen, also an einem Ort, der immer etwas verbunden und getrennt hat.

Er ist kein riesiger Stein, aber ein schwerer, ein Zentnerstein, und er hat auf seiner Oberfläche, im unteren Teil, eine runde Vertiefung. Sie hat ihm seinen Namen gegeben: Eselstratt, Eselstritt, in manchen Schreibweisen Eselstrapp. Ich kniete mich davor und legte die Finger in die Mulde. Sie ist glatt und flach, wie ein Fußabdruck, den jemand in weichen Ton gesetzt hat, und doch fühlte sie sich kühl und hart an, so sehr, dass man den Gedanken an einen Zufall rasch beiseiteschob. In der Beschreibung des Vereins Römische Weinstraße heißt es sogar, deutliche vorgeschichtliche Bearbeitungsspuren erlaubten es, die kreisrunde Vertiefung als Nabel und zwei breite Rillen als Arme zu erkennen. Ich suchte sie und fand, mit etwas gutem Willen, Andeutungen davon. Ob der Stein je eine menschliche Gestalt darstellen sollte, bleibt eine Deutung. Aber wer einmal einen Nabel in ihm sieht, kann ihn nicht mehr vergessen.

Die Legende, die man sich dazu erzählt, ist schöner als jede Erklärung. Eine christliche Jungfrau, die vor einem heidnischen Ritter floh, rettete sich auf ihrem Esel an dieser Stelle, indem sie den Sprung ins Tal wagte. Der Hufabdruck des Esels blieb im Stein zurück. Der Ritter aber, der das Wunder sah, bekehrte sich zum Christentum. In anderen Fassungen reitet das Mädchen auf einem Maultier und rettet sich vor seinen Verfolgern. Ich stand am Rand der Felsen, in deren Tiefe die Mosel schimmerte, und blickte hinab. Es ist ein weiter, schwindelerregender Abgrund. Dass jemand hier hinabspringt, und dass ein Wunder ihn trägt, ist eine Geschichte, die an diesem Ort sofort glaubhaft wird, auch wenn man sie nicht glaubt.

Der Stein selbst hat auch ein ganz irdisches Schicksal gehabt. Er lag jahrelang flach am Boden, bis die Ortsgemeinde Trittenheim ihn während der Flurbereinigung in den Jahren 1971 bis 1973 wieder aufrichtete. Man hat ihn also erst vor wenigen Jahrzehnten wieder in die Senkrechte gebracht, und doch wirkt er, als hätte er nie anders gestanden. Auch das ist ein Muster, das ich auf dieser Reise oft gesehen habe: Steine fallen, werden vergessen, werden von Menschen wieder aufgerichtet und beginnen ihre Geschichte von vorn.

Von hier oben sieht man das Moseltal in seiner ganzen Breite, von Pölich bis Trittenheim, ein gewundenes Silberband zwischen steilen Hängen, die in der Herbstsonne rot und gold leuchteten. Ich saß lange auf einer Bank in der Nähe, mit dem Rücken zum Wäldchen, und sah zu, wie der Fluss seine Schleifen zog. Über den Reben lag ein feiner Dunst, und irgendwo unten fuhr ein Schiff. Der Stein stand hinter mir, ruhig, und ich glaubte zu spüren, dass er schon sehr lange auf diesen Blick wartete.

Er hat, wenn man so will, drei Gesichter: das des Menhirs, den eine längst vergangene Kultur aufstellte; das des Grenzsteins am Pilgerweg; und das der Legende von der Jungfrau, die ihren Verfolgern entkam. Keines davon widerlegt die anderen. Als ich aufstand, legte ich noch einmal die Hand auf die Mulde, den Hufabdruck oder den Nabel, ganz wie man will, und ging langsam den Weg zurück durch die Weinberge, den Schatten der Reben entlang.
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