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Bayern - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Bayern

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Es gibt Seen, die man nicht einfach überquert. Man nähert sich ihnen wie einer Schwelle, während die dünne Höhenluft jeden Atemzug zu einem bewussten Akt macht und das Licht der Anden so schonungslos auf das Wasser fällt, dass man meint, es könnte jeden Moment aufbrechen wie ein altes Siegel. Der Titicacasee ist ein solcher Ort – für die Andenvölker die Wiege von Sonne und Mond, für mich der Beginn einer Reise, die mich tiefer in eine sakrale Landschaft führte, als ich es beim Aufbruch geahnt hatte.

Ich begann auf der Isla del Sol. Dort folgte ich der Escalera del Inca hinab zur Quelle von Yumani, jenem unscheinbaren Brunnen, dem man seit Generationen nachsagt, Jugend und Lebenskraft zu bewahren – drei Wasserläufe, deren gleichmäßiges Rauschen mir vorkam wie ein zweiter Herzschlag unter meinem eigenen, während ich die Hand in das kühle, aus dem Dunkel des Berges tretende Wasser tauchte. Nicht weit davon, im Süden derselben Insel, betrat ich die Ruinen von Pilkokaina, deren trapezförmige Türöffnungen eine Erinnerung zu bewachen scheinen, die längst ihren Namen verloren hat – und vor dem sogenannten „Herz des Puma", jenem aus der Mauer tretenden Stein, wurde ich Zeuge einer Zeremonie, in der ein Schamane die Stille zwischen den Mauern so sehr verdichtete, dass ich für einen Moment glaubte, tief im Gestein tatsächlich einen Puls zu hören.

Es folgte die benachbarte Isla de la Luna, wo die Ruinen von Iñak Uyu über gestufte Fassaden und dunkle Durchgänge wachen – einst, wie kolonialzeitliche Chronisten berichten, ein dem Mond geweihter Tempel, gedient von auserwählten Frauen, deren Alltag sich hinter den rohen Innenmauern bis heute jeder genauen Rekonstruktion entzieht. Dort nahm ich, zwischen verwittertem Stein und Blütenopfern vor einer bunt geschmückten Wiphala, an einer schamanischen Zeremonie teil und spürte, wie die Vergangenheit für einen Atemzug lang näherrückte.

Quelle, Tempel, Palast – drei Orte, ein einziger See zwischen ihnen, der seit Jahrhunderten schweigend zusieht, wie Menschen kommen, opfern, fragen und wieder gehen. Was diese Orte eint, ist nicht allein ihr Alter, sondern die Gewissheit, die mich seither begleitet: dass unter jeder sichtbaren Ruine eine ältere, tiefere Schicht der Verehrung liegt, wie es die Funde aus der Tiwanaku-Zeit unter Iñak Uyu und im Khoa-Riff nahe der Sonneninsel bezeugen – Schicht um Schicht Glaube, aufgetürmt wie Sediment am Grund eines Sees, der nie ganz preisgibt, was er birgt. Was folgt, sind die einzelnen Fäden dieser bolivianischen Reise – und wer ihnen folgt, dem wird, wie ich fürchte, das gleichmäßige Rauschen des Titicacasees noch lange in den Ohren bleiben, auch wenn er ihn längst hinter sich gelassen hat.
Hubertuskapelle
Ebersberg, Bayern
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