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Menhire von Schönberg - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Menhire von Schönberg

Reisen > Deutschland > Rheinland-Pfalz > Bernkastel-Wittlich
Mitten im Hunsrück, unweit des Erbeskopfs, der mit 816 Metern höchsten Erhebung dieses Mittelgebirges, liegt das kleine Dorf Schönberg – und auf seiner Gemarkung erheben sich, an zwei völlig unterschiedlichen Orten, zwei Menhire, die ich an einem einzigen Tag beide aufsuchte, als wollte ich prüfen, ob sie sich, obwohl kilometerweit getrennt, dennoch etwas zu sagen hätten.

Der erste Stein steht nördlich des Ortes, unweit der Straße von Büdlicherbrück nach Talling, am Rand eines Tales, aus einem gewaltigen Quarzitfindling gefertigt. Fast drei Meter hoch, mehr als einen Meter breit, verjüngt er sich nach oben, ohne je in eine eigentliche Spitze auszulaufen – eine stumpfe, fast trotzige Form, die mich an das Wachstum eines uralten Baumstumpfes erinnerte, der sich weigerte, sich einer erwarteten Gestalt zu fügen. Ich stand lange vor ihm, während der Wind über das Tal strich und die Fernsicht talabwärts freigab, bis hin nach Büdlicherbrück – ein Standort, so hoch gelegen, dass ich mir vorstellen konnte, wie er einst nicht nur als Kultstein, sondern auch als weithin sichtbares Zeichen gedient haben mag, ein Punkt, an dem sich Wege und Blicke aus dem ganzen Tal sammelten.

Der zweite Menhir liegt einige hundert Meter entfernt, nahe der Trafostation an der Kreisstraße 108 in Richtung Schönberg – und seine Geschichte ist eine der stillen Wiederauferstehung. In der Schleife eines alten Feldwegs zwischen Schönberg und Talling fand man ihn einst in Sturzlage, umgestürzt, von der Zeit oder von Menschenhand zu Boden gebracht, ehe man ihn im Zuge von Regulierungsarbeiten rund fünfzig Meter nördlich seines ursprünglichen Fundorts wieder aufsetzte. Er steht heute, mächtig und zerklüfteter als sein nördlicher Bruder, am Rand einer kleinen Baumgruppe, östlich einer Umspannstation, neben zwei verwitterten, teils zerbrochenen Bänken – eine seltsam profane Nachbarschaft für einen Stein, dessen Ursprung so viel weiter zurückreicht als jedes Stromnetz, das heute neben ihm summt.
Ich setzte mich für einen Moment auf eine dieser kaputten Bänke, den weißen, wuchtigen Koloss vor mir, und dachte an den Kontrast, der sich hier auftat: ein Jahrtausende alter Kultstein, umgestürzt und wieder aufgerichtet von Menschen, die vermutlich weder seinen ursprünglichen Zweck noch seinen exakten früheren Standort kannten, jetzt bewacht von Strommasten und einer Trafostation, deren leises elektrisches Summen mir wie ein ferner, unpassender Kommentar zu diesem uralten Schweigen vorkam. Und doch, während ich dort saß, verlor der Stein nichts von seiner Wucht – im Gegenteil, gerade diese Nähe zur nüchternen Gegenwart, zu Strommasten und Bänken, ließ seine Andersartigkeit nur umso deutlicher hervortreten, wie ein Fremder in einer Uniform, die nicht die seine ist.

Von beiden Standorten aus, so bemerkte ich, als ich zwischen ihnen hin und her ging, besteht sogar Blickkontakt – knapp fünfhundert Meter Luftlinie trennen die beiden Steine, nah genug, dass ich mir vorstellen konnte, wie sie einst, in einer Zeit, die keine Aufzeichnung kennt, als Paar gedacht waren, zwei Wächter, die sich über das Tal hinweg zunicken, jeder an seinem eigenen Hochpunkt, gemeinsam eine Landschaft markierend, deren eigentliche Bedeutung wir nur noch erahnen können.

Als die Sonne über dem Hunsrück tiefer sank und ihr Licht die beiden Steine in ein warmes, fast blutfarbenes Gold tauchte, ging ich noch einmal zwischen ihnen hin und her, spürte den Wind, der ungehindert über die offenen Höhen strich, und dachte daran, wie viele Regulierungsarbeiten, wie viele Straßenbauten, wie viele Trafostationen wohl noch kommen und wieder verschwinden werden, während diese beiden Steine – der eine an seinem ursprünglichen Platz, der andere neu aufgerichtet, aber beide unbeirrt – weiterhin über dasselbe Tal wachen, das sie schon vor Jahrtausenden im Blick hatten, lange bevor irgendjemand wusste, was Strom überhaupt war.
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