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Einsiedelei bei Echternacherbrück - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Einsiedelei bei Echternacherbrück

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Echternacherbrück ist ein junger Ort. Erst nach 1800 entstand er am deutschen Ufer der Sauer, gegenüber der alten Abteistadt Echternach, und seine Brücke verbindet zwei Länder, die hier nur durch einen Fluss getrennt sind. Die Geschichte, die mich hierher zog, ist weit älter als der Ort. Hoch über dem Sauertal, auf dem Ernzerberg, liegt eine Klause, die Einsiedlermönche im 16. Jahrhundert in den Fels schlugen, um abseits der weltlichen Hektik ein Leben mit Gott zu führen. Ich hatte mir den Weg vorher eingeprägt und stand an einem klaren Nachmittag am Fuß der Treppe.

Der Zuweg führt über zahlreiche steile Stufen, die in den Stein gehauen sind, und schon der Aufstieg vermittelt etwas von der Strenge, die dieses Leben verlangt haben muss. Mönche des Klosters Echternach haben die Klause bis ins 18. Jahrhundert hinein bewohnt, also über zwei Jahrhunderte. Heute sind von ihr die Reste dreier Räume erhalten: Treppen, ein Fenster, gemauerte Türfassungen, Nischen und im Eingangsbereich ein Weihwasserbecken. Wer die Anlage betritt, sieht, wie wenig Raum ein Mensch braucht, wenn er alles andere hinter sich lassen will.

Zur Einsiedelei gehörten einst ein Garten und ein Weinberg, den die Mönche selbst bewirtschafteten. Die Terrassenanlagen sind zum Teil noch sichtbar, schmale Stufen am Hang, auf denen das Gras heute dort wächst, wo einst die Reben standen. Mir gefiel der Gedanke, dass sich diese Männer, die der Welt entsagt hatten, einen Weinberg angelegt haben, mit Blick auf Echternach, die Abtei, zu der sie gehörten. Sie lebten allein und doch in Sichtweite ihres Klosters, als wollten sie den Abstand gerade so groß wählen, dass sie ihn noch überschauen konnten.

Ich muss gestehen, dass ich die Klause nur von außen sah. Aufgrund baulicher Schäden am Zuweg und in der Einsiedelei selbst besteht nach Angabe der Kreisverwaltung akute Einsturzgefahr, und der Zutritt ist für die Öffentlichkeit derzeit nicht möglich. Ich habe mich daran gehalten und die Stufen, so weit sie zugänglich waren, nur mit den Augen verfolgt. Und das hat dem Ort, wie ich fand, nichts genommen. Ein Haus, das niemand betreten darf, wirkt noch mehr wie ein Haus der Stille. Der Fels, in den die Mönche ihre Räume schlugen, hält sie nun für sich allein.

Nur wenige Schritte entfernt steht die Liboriuskapelle, auf der Gemarkungsgrenze zwischen Ernzen und Echternacherbrück, an der südlichen Kante des Ferschweiler Plateaus. Schon 1680 wurde hier eine erste Kapelle dem heiligen Liborius geweiht, dem Helfer bei Steinleiden, etwa bei Nierensteinen, und das gefiel mir auf einer Reise, die so viele Steine verbindet, mehr, als es sollte. Die heutige Kapelle ist die dritte an dieser Stelle. Sie wurde 1951 aus grauem Sandstein nach Plänen des Architekten Jules Schneider aus Idar-Oberstein errichtet, nachdem ihre Vorgängerin am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört worden war. Von ihr hat man einen weiten Blick auf Echternach und das Tal, und an einem klaren Tag glaubt man, jedes Dach der Stadt zählen zu können.

Ich blieb lange auf der Kuppe stehen. Unter mir floss die Sauer, und über das Wasser hinweg läuteten die Glocken von Echternach, leise und mit einer Verzögerung, die der Wind erzeugte. Die Mönche, dachte ich, müssen dieses Läuten jeden Tag gehört haben, aus ihrer Klause im Fels, über den Fluss hinweg, und es muss ihnen zugleich nah und unerreichbar vorgekommen sein. Sie hatten sich eine Einsamkeit erbaut, die nicht ohne die Welt auskam, sondern sie von oben betrachtete.

Als ich den Weg hinabstieg, blieb ich noch einmal stehen und sah zu den Fensteröffnungen im Fels hinauf, dunkle Rechtecke im grauen Sandstein, in denen sich das Abendlicht verlor. Ein Haus ohne Dach, ein Garten ohne Reben, eine Treppe, die nirgendwohin führt. Und doch kam es mir nicht verlassen vor. Es kam mir vor wie ein Ort, an dem Menschen so lange gebetet haben, dass der Stein selbst die Gewohnheit angenommen hat zu schweigen.
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