Saarland
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Das Saarland ist das kleinste Flächenland Deutschlands, und man würde meinen, ein so kleines Land könne nicht viel zu verbergen haben. Ich habe auf meinen Besuchen das Gegenteil erlebt. Zwischen Saar und Blies, Nahe und Hunsrück liegt eine Landschaft, in der sich Steinzeit, Kelten, Römer, Heilige und Industrie auf engstem Raum übereinanderlegen, und in der man auf einer einzigen Wanderung einem Menhir, einer römischen Stadt und einer Höhle begegnen kann, die einen Heiligen durch das Land führte.
Das Saarland ist das Land der großen Steine. Der Gollenstein bei Blieskastel, 6,58 Meter hoch, gilt als größter Menhir Mitteleuropas, wurde 1939 gestürzt und 1951 wieder aufgerichtet. Der Spellenstein in Rentrisch steht in einem Vorgarten, der Hinkelstein von Walhausen neben einer Quelle auf einem Acker, und überall sind die Steine mit Sagen verbunden: Riesen, die ihre Wetzsteine warfen, Kriegskassen, die unter Tonnen von Gestein liegen, Glocken, bei denen sich die Steine drehen. Auf dem Schaumberg bei Tholey läuft man um den Klapperstorchstein, um sich Geschwister zu wünschen, in Oberlöstern trägt ein Menhir, der einmal ein römischer Meilenstein war, ein Kreuz, und über Mettlach erhebt sich der Herrgottstein, auf dem ein Erzbischof Messe hielt. In Köllerbach hat man an einer Kirche Rillen in den Stein geschliffen, deren Sinn niemand kennt.
Es ist auch das Land der Höhlen und der Wege. Die Wildfrauenhöhle bei Güdesweiler erzählt von einer Seherin, die einem Eremiten die Stelle für eine Kapelle wies, die Wendalinushöhle bei Baltersweiler von einem Hirten, der seine Herde durch den Fels nach Trier trieb. Bei St. Ingbert öffnen sich die Eichertsfelsen mit ihrem Rötel, und der Teufelstisch am Stiefelfelsen erzählt vom Riesen Kreuzmann. Und im Wareswald liegt eine ganze gallorömische Stadt im Wald, an der Kreuzung zweier Straßen, verlassen am Ende des vierten Jahrhunderts.
Was diese Orte verbindet, ist ein Gefühl von Bewegung. Straßen kreuzen sich, Steine markieren Grenzen, Höhlen verbinden ferne Orte, Pilger gehen zu Quellen und Kapellen. Das Land lag immer an Übergängen, zwischen Römern und Kelten, zwischen Frankreich und Deutschland, zwischen Wald und Industrie, und die Steine scheinen das zu wissen. Dass hier an so vielen Stellen Heilige und Riesen, Götter und Teufel um dasselbe Stück Fels konkurrieren, spricht dafür, dass es für die Menschen immer ein wichtiger Ort war.
Was folgt, sind die Orte meiner Besuche im Saarland, nach Landkreisen geordnet: Steine, Höhlen und eine römische Stadt in einem kleinen Land, das mehr Geschichten trägt, als man auf einer Karte vermutet.
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