Druidenstein auf dem Ferschweiler Plateau
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Nordöstlich von Bollendorf, westlich von Ferschweiler, liegt das Plateau wie eine große, stille Fläche über dem Tal. Ich ging an einem klaren Nachmittag von Bollendorf aus hinauf, und mit jedem Höhenmeter wurde die Luft ein wenig dünner und der Wald lichter. Etwa eineinhalb bis zwei Kilometer südlich des höchsten Punktes kreuzen sich zwei Waldwege am Rand eines Feldes. Dort steht er: der Druidenstein, nahe beim Diesburger Hof.
Er ist größer, als ich erwartet hatte. Etwa 2,2 Meter ragt der Block aus dem Boden, gut anderthalb Meter breit, aber nur 30 bis 60 Zentimeter dick, eine fast rechteckige Platte aus Liassandstein, leicht geschwungen, mit abgeflachter Oberseite. Wer von der Breitseite auf ihn zugeht, hat einen mächtigen Pfeiler vor sich, doch sobald man seitlich steht, wird er schmal wie ein Blatt. Ich ging mehrmals um ihn herum, und jedes Mal veränderte er seine Gestalt, als wollte er sich nicht festlegen lassen.
Auf der Fläche des Steins fand ich, was auf Fotos oft schwer zu erkennen ist: mehrere eingeritzte Kreuze und einige Buchstaben. Sie sind alt und flach, und der Regen hat sie weicher gemacht. An einer der schmalen Seiten, im oberen Teil, verläuft außerdem eine Wetzrille, vermutlich Spuren davon, dass hier einmal Werkzeug geschärft wurde. Der Stein trägt also die Spuren vieler Hände, die ihn nicht zu dem gemacht haben, was er einst war. Und es gibt auch neuere Spuren: Beschädigungen, die jemand ihm in jüngster Zeit zugefügt hat. Ich fuhr mit der Hand über die Kratzer und dachte, dass dieser Fels länger geduldet hat, als die meisten Menschen es täten.
Sein Name klingt nach Kelten und Priestern im Eichenhain, und gerade deshalb muss ich hier korrigieren, was die Romantik geschaffen hat. Der Name „Druidenstein” stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert, als man die Kelten verklärte, und mit den Kelten haben solche Steine nichts zu tun. Wenn er überhaupt ein Menhir ist, wurde er wahrscheinlich in der Jungsteinzeit aufgestellt, irgendwann zwischen etwa 5500 und 1800 vor Christus, vielleicht als Teil eines Kults. Ob das hier tatsächlich zutrifft, ist nicht bewiesen. Der zweite Name, Eckstein, ist viel nüchterner und viel glaubwürdiger: Der Stein diente zeitweise als Flurbegrenzung und markiert noch heute eine Feldgrenze. Ein Eckstein, der Grenzen zieht, und ein Druidenstein, den die Phantasie von Menschen gefüllt hat, das sind zwei Namen für ein und denselben Block, und keiner davon verrät mir, wer ihn aufrichtete.
Der Stein steht nicht allein. Etwa 1,3 Kilometer nördlich stehen das Fraubillenkreuz und die Menhire von Nusbaum, weiter nordöstlich der Langenstein und der Druidenstein bei Holsthum, und auf dem Plateau gab es wohl noch vier oder fünf weitere Steine, die heute verschwunden sind. Ob sie alle zu einer größeren Anlage gehörten, ist unklar. Zwischen diesem Stein und dem Fraubillenkreuz besteht zum Beispiel eindeutig keine Sichtachse. Ich stand zwischen den Wegen und blickte nach Norden und hätte gern gewusst, was diese Menschen verband, wenn nicht ihre Sicht.
Ein Wanderführer nennt den Stein einen „Menhir mit Zauberkraft”. Ich konnte keine Zauberkraft erkennen, aber ich spürte etwas, das ich nicht benennen kann: dass ein Block, den jemand an ein Kreuz aus Wegen gestellt hat und der trotz Kreuzen, Kerben und Kratzern immer noch hier steht, eine Geduld besitzt, die jede Erklärung überdauert.
Als ich ging, stand die Sonne tief, und der Schatten des Steins fiel als dünner dunkler Streifen über den Feldrand. Der Wind kam über das Plateau, und für einen Moment schien alles um mich zu warten. Ich wusste nicht, ob ich einen Menhir, einen Grenzstein oder einen Block mit falschem Namen besucht hatte. Aber ich wusste, dass er mich nicht um meine Meinung gefragt hatte.