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zerstörter Menhir auf dem Ferschweiler Plateau - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

zerstörter Menhir auf dem Ferschweiler Plateau

Reisen > Deutschland > Rheinland-Pfalz > Eifelkreis Bitburg-Prüm
Es war der Stein, der am wenigsten wie ein Stein aussah. Ich hatte mir, nach all den aufrechten Wächtern auf dem Ferschweiler Plateau, etwas Ähnliches vorgestellt, einen Pfeiler, eine Silhouette, ein Zeichen im Wald. Stattdessen stand ich vor einem klobigen, breiten Block, halb im Boden versunken, dicht mit Moos bewachsen und von Fichtennadeln und trockenen Zweigen umgeben. Heidelbeersträucher und junge grüne Triebe wuchsen bis an seine Flanken heran. Wer nicht wusste, wonach er suchte, wäre vorbeigegangen. Ich selbst habe ihn zuerst für einen gewöhnlichen Felsbrocken gehalten, wie sie auf dem Plateau überall liegen.

Erst als ich näher trat, sah ich die Spuren. Über die Vorderseite zieht sich eine helle, fast senkrechte Naht, ein Streifen frischeren, ungeschützten Gesteins, wo das Moos aufgehört hat oder nie ansetzen konnte. Daneben, auf der linken Seite, öffnet sich eine dunkle Kerbe, als hätte jemand ein Stück herausgebrochen. Ich fuhr mit der Hand an der Naht entlang und spürte, wie scharf ihre Ränder noch waren, ganz anders als die verwitterte, weiche Oberfläche der Steine, die ich zuvor besucht hatte. Was dort geschehen war, war nicht die Arbeit des Regens. Hier hatte Gewalt gewirkt, auch wenn ich nicht sagen kann, wann und wodurch.

Auf dem Ferschweiler Plateau stehen oder standen mehr Menhire, als man heute sieht. Als die Forschung 2004/05 über die damals wiederentdeckten Nusbaumer Menhire berichtete, galten sechs Monolithe dieses kleinen Gebiets als sicher. Zusammen mit den Steinen, die in älteren Quellen erwähnt werden und heute nicht mehr auffindbar sind, könnten auf der Hochfläche bis zu zehn Menhire an neun Standorten gestanden haben. Einer davon soll auf dem Weg nach Ferschweiler zerschlagen worden sein, und nach seinen Resten hat man damals vergeblich gesucht. Ich kann nicht sagen, ob der Block, vor dem ich stand, damit zu tun hat. Aber es bleibt die Erkenntnis, dass diese Landschaft viele ihrer Steine verloren hat, durch Steinbruch, Wegebau, Sprengung und schlichte Gleichgültigkeit.

Die Steine, die geblieben sind, haben oft eine bewegte Geschichte hinter sich. Der liegende Menhir von Nusbaum ist beim Umsetzen in zwei Teile zerbrochen, und beim Druidenstein von Holsthum zeugen Sprenglöcher davon, dass hier einmal mit Werkzeug gearbeitet wurde. Zerstörung ist auf diesem Plateau keine Ausnahme, sondern ein zweiter, leiser Teil seiner Geschichte. Ich stand vor dem Block und dachte, dass es eine eigene Art der Überlieferung gibt: Manche Steine erzählen, indem sie stehen, andere, indem sie gebrochen wurden.

Und doch ging von diesem Block etwas Eigenes aus. Anders als die aufrechten Menhire, die man von Weitem erkennt und die den Blick fordern, wirkte er wie jemand, der sich nach einer Verletzung zurückgezogen hat. Das Licht fiel gesprenkelt durch die Fichten und ließ das Moos an manchen Stellen fast leuchten, an anderen blieb es schwarz. Der Wald hatte begonnen, ihn zu bedecken, so wie er alles bedeckt, was lange genug liegen bleibt. Ich hatte das Gefühl, Zeuge eines sehr langsamen Vorgangs zu sein, des Vergessens, das nicht plötzlich geschieht, sondern in Schichten von Nadeln, Moos und Jahren.

Ich blieb eine Weile sitzen, die Hand auf dem kühlen Stein, und lauschte. Es war still, nur der Wind in den hohen Kronen und irgendwo ein Vogel. Ich dachte an die Menschen, die diesen Stein einst aufrichteten, und an die, die ihn später zerbrachen, und stellte fest, dass ich keinem von beiden böse sein konnte. Beide hatten ihn bewegt, aus Gründen, die ihnen damals notwendig erschienen. Übrig geblieben ist ein Block im Wald, der trotzdem etwas ausstrahlt, das ich nur Würde nennen kann.

Als ich ging, drehte ich mich noch einmal um. Der Block lag zwischen den dunklen Stämmen, bemoost und still, und die helle Naht auf seiner Vorderseite leuchtete im Zwielicht wie eine Narbe. Ein zerstörter Menhir ist kein verlorener, dachte ich. Er trägt nur auf eine andere Weise weiter, was er einst bedeutet hat.
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