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Eichertsfelshöhle bei St. Ingbert - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Eichertsfelshöhle bei St. Ingbert

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Oberwürzbach liegt am Rand des Bliesgaus, ein Stadtteil von St. Ingbert, durch den der Würzbach von West nach Ost zur Blies fließt, und etwa einen Kilometer nördlich davon, am Südhang des Hochscheids, erhebt sich der Eichertsfels. Ich nahm den Weg von den Fischteichen aus, die an diesem Tag still und dunkel zwischen den Bäumen lagen, und stieg steil über einen Waldpfad hinauf, bis über der Göllerschlucht eine rote Wand aus dem Laub trat: Buntsandstein, warm und rau, mit Öffnungen, die wie Münder in den Fels geschnitten sind.

Es sind mehrere kleine Höhlen, keine großen Hallen. Der Fels liegt an der Grenze zwischen Mittlerem und Oberem Buntsandstein, einem Gestein, das sehr weich und porös ist und das sich, wie es heißt, von Menschenhand leicht weiter aushöhlen lässt. Ich trat in die größte der Öffnungen, bückte mich unter dem überhängenden Dach hindurch und stand in einem niedrigen, kühlen Raum, dessen Wände sich unter der Hand wie grober, trockener Zucker anfühlten. Das Licht fiel schräg herein, und die Luft roch nach Erde, nach Moos und nach altem Stein. Es war ein Raum, in dem man sich sofort geborgen und zugleich ein wenig beobachtet fühlt.

Woher die Höhlen stammen, lässt sich nicht mehr eindeutig zurückverfolgen. Man vermutet, dass unsere Vorfahren die Eichertsfelsen als Winterquartier oder als Versteck benutzten, und die Funde sprechen dafür. In den recht kleinen Höhlen fanden sich Spuren menschlicher Besiedlung: ein Mahlstein aus Basaltlava, Feuersteinabschläge und Rötel. Ich blieb bei diesem letzten Wort stehen. Rötel ist rote Erdfarbe, ein Mineral, mit dem Menschen seit der Altsteinzeit Körper, Wände und vielleicht Tote bemalten, und dass man es in einem roten Sandsteinfels gefunden hat, kam mir vor wie eine kleine Verdopplung: Rot im Fels, Rot in der Hand der Menschen, die darin lebten. Wie alt diese Funde sind, ist nach dem, was ich lesen konnte, unsicher, und ich möchte ihnen kein Datum geben, das ich nicht belegen kann.

Der Basalt hat mich beschäftigt. Ein Mahlstein aus Basaltlava stammt nicht von hier, das Gestein kommt aus vulkanischen Gegenden, aus der Eifel etwa, und wer ihn mitbrachte, hat ihn von weit hergetragen oder getauscht. Auch das erzählt etwas: Wer hier Zuflucht suchte, war nicht einfach ein Mensch, der aus dem Wald kam, sondern einer, der Wege und Verbindungen kannte, der etwas mit sich führte, das er brauchte, um Korn zu mahlen. Ich dachte an die Hände, die auf diesem Stein gearbeitet haben, an das gleichmäßige Reiben und an das Feuer, das irgendwo in diesem Raum gebrannt haben muss.

Die Höhlen sind frei zugänglich und liegen an dem Premiumwanderweg, den man Hüttenwanderweg nennt, und dass sie für Familien beliebt sind, erkennt man an den Spuren im Boden, an den kleinen Fußabdrücken, an den Stöcken, die irgendwer in eine Nische gelegt hat. Ich fand das schön: Ein Ort, an dem einmal Menschen Schutz suchten, ist wieder ein Ort, an dem Kinder sich verstecken, und die Höhle scheint beides zu dulden. Von der Felskante aus sieht man tief ins Tal, auf die Teiche des Laichweihers, deren Oberfläche im späten Licht wie dunkles Metall schimmerte.

Ich setzte mich auf einen Felsvorsprung vor der Höhle und blieb dort länger, als ich vorhatte. Der Wind ging durch die Buchen, und irgendwo unten rief ein Vogel, und zwischen beidem war eine Stille, die man in Höhlen oft findet, selbst wenn sie offen sind. Wenn man die Hand auf den Sandstein legt, merkt man, wie leicht er nachgibt: Mit dem Fingernagel kann man Sand herauskratzen. Dieser Fels hat nicht standgehalten, weil er hart ist, sondern weil er geduldig ist.

Als ich aufbrach, drehte ich mich noch einmal um. Die Höhle öffnete sich dunkel in der roten Wand, und das Licht des späten Nachmittags legte einen warmen Schimmer auf die Kante. Ich hatte das Gefühl, dass jemand hier vor sehr langer Zeit das Gleiche getan hatte wie ich, aufgestanden und noch einmal zurückgeblickt, und dass der Fels sich an diese Bewegung erinnerte.
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