Menhir bei Beuren
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Beuren liegt im Hochwald, ein Dorf auf einer Höhe, von der aus man weit über bewaldete Kuppen sieht. Ich hatte den Stein schon in den Beschreibungen gesucht, bevor ich ihn in der Landschaft fand, und er ist nicht leicht zu finden: Der Hinkelstein von Beuren liegt etwa zwei Kilometer südöstlich des Menhirs von Farschweiler, nah an der Quelle des Bickenbachs, und nicht weit von hier verläuft die Gemarkungsgrenze zwischen Farschweiler und Beuren. Ich folgte einem Waldweg ein Stück bergab, bis das Rauschen von Wasser lauter wurde und zwischen den Bäumen ein heller Block auftauchte.
Auf den ersten Blick gleicht er einem umgefallenen, mächtigen Quader. Er wirkt eckig und kantig, und wenn man davorsteht, erkennt man links unten eine größere abgebrochene Stelle, an der das Gestein frischer aussieht als im Rest. Er ist gut zweieinhalb Meter lang und siebzig Zentimeter hoch und liegt ziemlich frei, ohne dass Bäume oder Wurzeln ihn bedrängen. Neben ihm sieht man einen Steinsockel oder einen im Boden steckenden Steinstumpf, sodass es aussieht, als wäre der Stein von diesem Stumpf abgebrochen. Ich ging um beides herum und versuchte, die Stücke im Kopf zusammenzusetzen: ein aufrechter Pfeiler, der an seiner Basis nachgab und zur Seite fiel. Es war eine Geschichte, die sich fast von selbst erzählte.
Dazu passt der Ort. Die Nähe zur Quelle ist, wie es in der Beschreibung heißt, als Standort für einen Menhir sehr typisch und fügt sich in das Bild, das man sich von der Naturverbundenheit der Megalithmenschen macht. Ich habe an dieser Reise oft gesehen, wie sich Steine bei Wasser, an Pässen, an Wegkreuzungen und an Grenzen sammeln, und hier lag dieser eine, wenige Schritte von dem Platz, an dem der Bach aus dem Boden tritt. Ich kniete mich ans Wasser, das klar und kalt über Steine lief, und hörte es eine Weile an, bevor ich zurück zum Stein ging.
Bei genauerem Hinsehen fand ich auf seiner Oberfläche leichte Bearbeitungsspuren in Form von Rillen. Es wurde wohl versucht, die Fläche zu glätten. Ich fuhr mit den Fingern an den Rillen entlang, die fein und gleichmäßig verliefen, und fragte mich, wer hier gearbeitet hat und wann. War es ein Mensch der Jungsteinzeit mit einem Schlagstein, ein Steinmetz späterer Zeit, der den Block als Grenzstein vorbereiten wollte, oder jemand, der ihn als Baumaterial prüfte? Die Rillen sagen es nicht. Sie sagen nur, dass jemand diesen Stein für wichtig genug hielt, um ihm Mühe zu widmen.
Ob der Stein ein Menhir ist, kann ich, wie bei so vielen Steinen des Hochwalds, nicht beweisen. Die Beschreibungen nennen ihn Menhirstein, und sein Name Hinkelstein sagt, was man in ihm sehen wollte. Aber er liegt in einer Gegend, in der Quarzitblöcke zahlreich sind, und die Forschung hat bei den Steinen der Umgebung wiederholt gefragt, ob sie Menhire, Grabstelen oder Grenzsteine waren. Ich habe mir angewöhnt, diese Unsicherheit als Teil des Ortes zu nehmen und nicht als Mangel. Ein Stein, dessen Bedeutung offenbleibt, zwingt zum Hinsehen.
Ich blieb lange am Wasser sitzen. Der Wind bewegte die Äste, und das Licht fiel in schrägen Bahnen auf den hellen Quarzit, sodass er an manchen Stellen aufleuchtete wie Eis. Neben dem gestürzten Block stand der Stumpf, ruhig und gerade, und ich dachte, dass die beiden etwas verband, das nicht verloren gegangen war: Der eine hatte gehalten, der andere war gefallen, aber beide lagen noch an derselben Stelle, an der das Wasser entspringt.
Als ich ging, hörte ich den Bach noch lange hinter mir. Der Stein blieb im Halbdunkel liegen, eckig und still, und ich hatte das Gefühl, dass er mich nicht aus den Augen ließ, bis die Bäume ihn verdeckten.