Saarbrücken
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Der Regionalverband Saarbrücken ist der dichtest besiedelte Teil des Saarlandes, ein Gebiet aus Städten, Tälern und alten Industrieflächen, in dem man zuerst an Kohle, Stahl und Hütten denkt. Das Köllertal ist dafür ein gutes Beispiel: Einst Kornkammer der Fürsten von Nassau-Saarbrücken, wurde es im 19. Jahrhundert zum Bergbau- und Hüttenland, und aus sechs kleinen Gemeinden entstand 1932 ein neues Dorf, Köllerbach, heute ein Stadtteil von Püttlingen. Es ist eine Gegend, die von Arbeit, Zuzug und Umbruch geprägt ist, und man erwartet hier nicht, dass das Älteste im Verborgenen liegt.
Doch an der Kirche St. Martin in Köllerbach steht ein Stein, der Spuren trägt, die weit vor dieser Industriegeschichte entstanden sind: Wetzrillen, geschliffene Furchen im Stein, die man vor allem an mittelalterlichen Kirchen, Toren und Türmen findet und deren Sinn niemand sicher kennt. Sie sollen Schwerter gesegnet oder entschärft haben, ein Heilmittel für Kranke geliefert haben, Kratzspuren des Teufels sein oder von Vätern stammen, die nach der Geburt eines Kindes ihren Fingernagel in der Rille rieben. Der Brauch geriet im 16. und 17. Jahrhundert in Vergessenheit, und davor war er so gewöhnlich, dass ihn niemand aufschrieb.
Dieser Stein hat mir etwas über den Regionalverband gezeigt, das sich vermutlich auf das ganze Land übertragen lässt: Auch ein von Industrie überformter Ort trägt sein Gedächtnis in kleinen Zeichen, die man leicht übersieht. Man muss langsam gehen und stehen bleiben, um sie zu sehen, und man muss bereit sein, nichts zu verstehen.
Was folgt, sind die Orte meiner Besuche im Regionalverband Saarbrücken, Spuren im Stein einer Landschaft, die sich in den letzten zweihundert Jahren stärker verändert hat als in den tausend Jahren davor.
