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Drei Mörder bei Holzerath - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Drei Mörder bei Holzerath

Reisen > Deutschland > Rheinland-Pfalz > Trier Saarburg
Östlich von Holzerath, am Rand des Osburger Hochwalds, aber schon auf dem Gebiet der Gemeinde Bonerath, steht ein Lärchenwald, in dem man einen Namen hört, ehe man etwas sieht: die Drei Mörder. Ich kam von Holzerath über die Landesstraße 146, die nach Reinsfeld führt, und folgte dem Rat, den man in den Beschreibungen findet. Dort, wo die Straße den Waldrand erreicht, geht man etwa hundert Meter in den Wald hinein und biegt dann nach rechts in eine kleine Schneise ab. Nach wenigen Schritten lagen sie vor mir: drei große Quarzitblöcke, ungeordnet nebeneinander im Moos, hell zwischen den dunklen Stämmen.

Auf den ersten Blick sieht man nichts Besonderes, nur Steine, wie sie im Hochwald überall liegen. Doch sie sind erkennbar von Menschenhand hierhergebracht worden. Es handelt sich um die Reste eines jungsteinzeitlichen Großsteingrabs: Zwei der Blöcke sind Tragsteine, der dritte ein Deckstein, der in die Kammer gerutscht ist. Wer mehr als die Steine sehen will, muss sie sich ergänzen: eine Kammer, über der einst ein Deckstein ruhte, vielleicht von einem Hügel umgeben, in der Menschen bestattet wurden, die vor mehr als fünftausend Jahren lebten. Die Beschreibungen sprechen auch von einem „keltischen Hünengrab”, doch die Kelten kamen erst Jahrtausende später, und Großsteingräber dieser Art gehören zu den ältesten Denkmälern, die wir in der Landschaft finden. Eine genaue archäologische Untersuchung steht, wie es heißt, noch aus, und es gibt bisher keine Grabung, die die Steinansammlung zweifelsfrei als Grabhügel ausweist. Man nimmt es mit großer Sicherheit an. Ich nehme es mit Vorsicht an und stand doch lange davor.

Dieses Grab ist in dieser Gegend eine Seltenheit. Die Bestattungsform ähnelt den Hünengräbern, die man im Norden Deutschlands findet, und ist hier im Südwesten äußerst selten. Ein Fremdkörper also, ein Stück Norden im Hochwald, dessen Erbauer entweder von dort kamen oder die Idee von dort mitbrachten. Es gibt etwas Anrührendes an diesem Gedanken: dass Menschen an einem Ort, der weit von der Küste und den großen Gräberlandschaften liegt, ihre Toten auf dieselbe Weise ehren wollten wie die Menschen im Norden.

Die Leute der Gegend haben dem Grab einen anderen, grimmigeren Namen gegeben. Die Sage erzählt, im Wald hätten einst drei Mörder gehaust und die Reisenden überfallen, die auf der Römerstraße quer über den Hochwald nach Trier kamen, mit dem Ruf „Geld oder Blut!”. Eines Tages kam die Muttergottes des Weges, und auch sie wurde angerufen. Maria ermahnte die drei, ihr Leben zu bessern, doch sie höhnten: Wenn es einen Gott gebe, dann wollten sie zu Stein werden. Da machte die Himmelsmutter das Kreuzzeichen über sie, und sie erstarrten zu Stein, und sogar ihre Geldkiste wurde zu einem viereckigen Block. Ich stand vor den drei Quarzitbrocken und sah, welcher von ihnen die Geldkiste sein mochte, und musste lächeln und fröstelte doch ein wenig.

Es gibt mehrere Fassungen dieser Geschichte. In der einen lauern die drei Mörder einem Mädchen auf. In der anderen überfallen sie das nahe gelegene Römerlager und werden mitsamt ihrem Hund in drei große und einen kleinen Stein verwandelt. Eine dritte erzählt, der Pfarrer von Reinsfeld sei zu einem verunglückten Holzhacker gerufen worden, und im Wald seien drei Mörder und ein Hund auf ihn eingedrungen, bis er das Kreuzzeichen machte. In allen Varianten wirkt dasselbe Muster, das ich auf dieser Reise oft gesehen habe: Ein Ort, dessen Ursprung vergessen ist, bekommt eine Geschichte, die ihn erklärt, und die Geschichte benutzt den Glauben als Werkzeug. Hier wird nicht ein Heiliger zum Zerstörer eines Kults wie am Diana-Denkmal, sondern die Muttergottes selbst zur Richterin, die Menschen in Stein verwandelt.

Dass die Sage im Hochwald spielt und an der Römerstraße, ist kein Zufall. Nordöstlich von Holzerath fand man Reste eines Römerlagers, auf der Trasse der alten Straße von Trier nach Hermeskeil, und es ist leicht vorzustellen, dass Reisende auf diesem Weg gefährdet waren. Die Steine liegen an der Grenze zwischen dem, was wir wissen, und dem, was man sich erzählt: zwischen einem jungsteinzeitlichen Grab, einer römischen Straße und einer christlichen Legende, und alle drei Schichten berühren sich an derselben Stelle.

Ich setzte mich auf einen Baumstumpf in der Nähe und sah zu, wie das Licht durch die Lärchen fiel. Es war sehr still, bis auf den Wind und das Rascheln der Nadeln. Die Steine lagen reglos, und ich dachte, dass es merkwürdig ist, wie die Menschen aus Gräbern Verbrecher machten. Die einen, die hier begraben wurden, haben keine Namen mehr und werden nicht erinnert. Die anderen, die nie gelebt haben, tragen ihre Namen noch heute: die Drei Mörder.

Als ich ging, drehte ich mich noch einmal um. Zwischen den Stämmen leuchtete der helle Quarz, und für einen Augenblick sah ich tatsächlich drei Gestalten, die dort standen, ohne sich zu bewegen und ohne einen Ton von sich zu geben. Dann bewegte der Wind die Zweige, und es waren wieder nur Steine.
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