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Villa Rustica in Holsthum - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Villa Rustica in Holsthum

Reisen > Deutschland > Rheinland-Pfalz > Eifelkreis Bitburg-Prüm
Östlich von Holsthum, jenseits des Mäsch-Bachs, fällt das Gelände sanft nach Südwesten zur Prüm hin ab. Dort, an einem Hang mit weitem Blick ins Tal, liegt die römische Villa. Ich kam am späten Vormittag und folgte dem Weg über die Wiese, und als die Säulen vor mir auftauchten, blieb ich stehen. Man erwartet zwischen den Hügeln der Eifel vieles, aber nicht unbedingt eine Reihe römischer Säulen, die aus dem Gras ragen, als hätte jemand sie dort für einen Augenblick abgestellt.

Die Villa ist ein ehemaliger römischer Gutshof, dessen Haupthaus um das Jahr 100 nach Christus errichtet wurde. Sie war eine zweistöckige Risalitvilla mit symmetrischem Grundriss, in einem der vorspringenden Gebäudeteile lag das Badehaus. Das Haus maß etwa 47 Meter in der Breite und knapp 24 Meter in der Tiefe, seine Höhe schätzt man auf elf Meter. Als Baumaterial diente Luxemburger Sandstein aus der Umgebung, dasselbe Gestein, das die Felsen des Ferschweiler Plateaus formt und aus dem so viele Steine dieser Reise bestehen. Ich fand das auf eine stille Weise schlüssig: Die Römer haben den Fels der Gegend zu Wänden gemacht, so wie die Menschen vor ihnen ihn zu Menhiren gemacht hatten.

Besonders berührt hat mich die Ausrichtung des Hauses. Es blickte nach Südwesten, sodass die Front mit ihrer offenen Säulenhalle vom späten Vormittag bis zum Abend im Licht lag. Die Römer, heißt es, hatten bei der Wahl ihrer Bauplätze meist ein gutes Gespür und orientierten ihre Wohnhäuser geschickt zur Sonne. Ich stand genau um diese Zeit dort, als das Licht begann, über die wiederaufgerichteten Säulen zu streichen, und sah, wie ihre Schatten über das Gras wanderten. Es war, als hätte das Haus nie aufgehört, auf die Sonne zu warten.

Wer das Haus durch das große Portal betrat, kam in eine zentrale Halle, in der gearbeitet und der Hof geführt wurde. Dahinter lagen Wohn- und Arbeitsräume, über denen sich ein zweites Geschoss erhob, und im hinteren Teil des Hauses räucherte und trocknete man Lebensmittel. In dieser Halle gab es auch eine kleine Eisenschmiede. Und dort geschah etwas, das mich beim Lesen überraschte: Man hat Bronzestäbe mit Einkerbungen und flache Bronzeformen gefunden, die noch nicht ausgeschlagen waren. Sie beweisen, dass in Holsthum eine kleine Münzwerkstatt bestand, in der man um das Jahr 275 nach Christus in Zeiten knapper Kleinmünzen aus eingeschmolzenen Bronzegegenständen Geld prägte. Falschmünzerei? Wahrscheinlich nicht. Vermutlich handelte es sich um eine behördlich geduldete Herstellung von Kleingeld. Ich stellte mir die Hitze in dieser Halle vor, das Klopfen, den Geruch von Metall und Rauch, und wie ein Gutshof an einem Hang der Eifel selbst zur kleinen Münzstätte wurde, weil das Reich in der Ferne Geld brauchte.

Die Anlage, wie ich sie heute sah, ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Nach Freilegungsarbeiten Anfang der 1990er Jahre sicherte man die Grundmauern und den Keller, in einem weiteren Schritt stellte man die Säulen der Portikus wieder auf und machte die Villa für Besucher nutzbar. Um sie kümmert sich bis heute der Förderverein Geschichte und Kultur Holsthum. Das Gelände ist ganzjährig frei zugänglich. Im Museum des Naturparkzentrums Teufelsschlucht in Ernzen steht außerdem ein Modell, das Schüler gebaut und mit handgefertigten Zinnfiguren belebt haben, und mit einer App kann man das Haus vor Ort in Originalgröße als Rekonstruktion erleben. Ich verzichtete darauf. Mir genügte, was ich sah: Säulen, Grundmauern, Gras, Wind, und einen Himmel, der über denselben Hang spannte wie vor knapp zweitausend Jahren.

Mehr noch als das Haus selbst beschäftigte mich, was unter ihm liegt. Das Fundmaterial reicht bis in die Latènezeit zurück, also in die Zeit der Kelten, bevor die Römer kamen. Der Hang war also schon lange besiedelt, ehe jemand hier Steine zu Mauern fügte. Und nicht weit entfernt, nördlich des Langensteins, liegt ein römisches Brandgräberfeld, in dem die Menschen dieser Gegend bestattet wurden. Die Lebenden und die Toten, der Fels und das Haus, das Metall der Münzen und das Schweigen der Steine, alles ist hier ineinander verschränkt.

Ich setzte mich auf einen Mauerrest, in der Sonne, mit Blick ins Prümtal, und blieb länger, als ich vorhatte. Es ist ein friedlicher Ort. Die Römer haben die Eifel nicht mit Tempeln und Triumphbögen verändert, sondern mit etwas viel Alltäglicherem: mit Höfen, Feldern, Küchen und Werkstätten. Und gerade deshalb ist man ihnen hier näher als an jedem Monument. Als ich ging, warf eine der Säulen ihren langen Schatten über die Wiese, und ich folgte ihm ein Stück den Hang hinab, so als führe er mich in die Zeit zurück, aus der er gekommen war.
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