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Forstmeister Jansen Stein - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Forstmeister Jansen Stein

Reisen > Deutschland > Rheinland-Pfalz > Eifelkreis Bitburg-Prüm
Die Schneifel ist ein langer, waldiger Höhenzug im Norden des Eifelkreises, rau und windig, nahe der belgischen Grenze, und wer sie begeht, spürt schnell, dass hier das Wetter das Sagen hat. Ich war im Naturpark Hohes Venn-Eifel unterwegs, in der Nähe des Dorfes Buchet, etwa vierzehn Kilometer nordwestlich von Prüm, unterhalb des Schwarzen Mannes. Der Gipfel trägt einen Namen, der mich schon lange vor meinem Besuch beschäftigt hatte. Er soll von hölzernen Gerüsten stammen, die napoleonischen Landvermessern als Orientierungspunkte dienten, und heute steht oben eine hölzerne Gestalt, die dem Berg ihren Namen zurückgibt. Ich ließ sie hinter mir und suchte, ein Stück darunter, nach dem Stein.

Er steht dort, ein Langer Stein im Wald, unscheinbar und doch unverkennbar, und trägt den Namen eines Mannes, der mit ihm nichts zu tun hatte: Forstmeister Ivo Jansen. Im Jahr 1930 haben Forstarbeiter ihn unterhalb des Schwarzen Mannes aufgerichtet, zum Gedenken an ihren Vorgesetzten, den Trierer Forstmeister. Für die Arbeiter war das eine ehrenvolle Geste, ein Mal für einen Mann, der den Wald verwaltet hatte. Dass der Stein, den sie dafür wählten, einer der ältesten Zeugen dieses Landes sein könnte, wussten sie vielleicht nicht, oder sie wussten es und fanden es passend.

Denn das ist das Besondere: Der Stein, der als Gedenkstein dient, ist offenbar ein uralter Menhir. Er wird als typischer Lang- oder Hinkelstein beschrieben, und in der Eifel nannte man solche Steine allgemein Weisensteine, abgeleitet von „weisen”, also zeigen. Eine Informationstafel am Stein erinnert daran, dass sie aus der fernsten Vergangenheit stammen und als Gottessteine, Gedenksteine, Opferstätten oder Wegweiser gedient haben könnten. Das ist sehr allgemein formuliert, und ich nehme es als das, was es ist: eine Aufzählung von Möglichkeiten, keine Auskunft über diesen einen Stein.

Seine Geschichte ist die eines Vergessenen. Der Prümer Landrat Bärsch schrieb in der Mitte des 19. Jahrhunderts in seiner „Eiflia Illustrata” über einen Stein auf der Schneifelhöhe. Danach geriet er in Vergessenheit, bis man ihn 1892 wiederentdeckte, und 1930 stellte man ihn an seinem heutigen Platz auf. Dazwischen liegen Jahrzehnte, in denen ihn niemand sah, und vor all dem liegen Jahrtausende, von denen wir nichts wissen. Ich stand davor und rechnete nach, wie oft dieser Stein in diesem Wald gewesen sein mag, ohne dass es jemand wusste: aufrecht, gestürzt, überwachsen, wiederentdeckt.

Mir gefiel der Gedanke, dass hier zwei Arten von Erinnerung ineinandergreifen. Die eine ist uns zugänglich: ein Name, ein Jahr, eine Geste von Menschen, die einen Vorgesetzten ehren wollten. Die andere ist es nicht. Was der Stein vor Jahrtausenden bedeutete, welche Hände ihn aufrichteten und warum, bleibt im Dunkel. Der Forstmeister Ivo Jansen hat dem Stein seinen Namen gegeben, aber nicht seine Bedeutung. Und doch ist es auf eine merkwürdige Weise passend, dass ein Mann, der den Wald hütete, mit einem Stein geehrt wird, der selbst schon so lange im Wald wacht.

Ich legte die Hand auf die Oberfläche. Sie war kühl, ein wenig nass vom Nebel, der über der Höhe hing, und ich spürte, wie der Wind in den Kronen rauschte, als führe er Gespräche, die ich nicht verstand. Es war einer dieser Momente, in denen die Welt langsamer zu werden scheint. Auf der Schneifel, wo seit je Krieg und Frieden einander abgelöst haben, steht dieser Stein, der alles gesehen hat und nichts verrät.

Als ich ging, drehte ich mich noch einmal um. Der Stein stand im Dämmerlicht zwischen den dunklen Stämmen, ein Gedenkstein für einen Forstmeister und ein Zeuge einer Zeit, die keinen Namen hat. Ich hatte das Gefühl, dass er beides trug, ohne sich zu beschweren.
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