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Feuertänzer der Tem - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Feuertänzer der Tem

Reisen > Togo
Es gibt Geschichten, die man nicht glaubt, bis man sie mit eigenen Augen sieht – und selbst dann bleibt ein Rest Zweifel bestehen, so tief, dass er nachts wieder auftaucht. So erging es mir in Kparatao, einem kleinen Dorf nahe Sokodé im Herzen Togos, als die Sonne hinter den Hügeln versank und die Trommeln des Tem-Volkes zu sprechen begannen.

Die Tem, auch Kotokoli genannt, sind heute mehrheitlich Muslime, doch unter dieser jüngeren Schicht des Glaubens liegt eine ältere, animistische Erinnerung, die sich bis heute nicht hat verdrängen lassen: der Pakt mit dem Feuergott. Die Überlieferung erzählt von einer Zeit erbitterter Kämpfe mit benachbarten Stämmen, in denen Frauen und Kinder, zurückgelassen in ihren strohgedeckten Hütten, im plötzlich entfachten Feuer der Kriegszüge umkamen, weil sie zu langsam waren, ihm zu entkommen. Um die Wiederkehr solchen Leids abzuwenden, so heißt es, schlossen die Tem einen Pakt mit dem Herrn des Feuers selbst – ein Versprechen aus Respekt und Ehrerbietung, besiegelt in einem Ritual, das seither von Generation zu Generation weitergegeben wird: dem Feuertanz. Wenn die Krieger einst siegreich aus der Schlacht heimkehrten, tanzten sie mit den Flammen, als Zeichen ihres Dankes und ihres Glaubens – eine Geste, die überlebt hat, während die Kriege selbst längst verklungen sind.

Nicht jeder im Dorf darf tanzen. Nur wenige Auserwählte, oft aus bestimmten Familien, werden schon als Kinder in die Praxis eingeführt, üben bei den wiederkehrenden Festen des Jahres, bis ihr Körper – oder das, was in ihrem Körper wohnt, wenn die Trommeln ihn ergreifen – eine Beziehung zum Feuer eingeht, die sich jeder nüchternen Erklärung entzieht.

Ich saß am Rand des Dorfplatzes, als die Dunkelheit vollständig hereingebrochen war und ein kleines Feuer bereits zu prasselndem Leben erwacht war, seine Funken wie kurzlebige Sterne in die Nacht hinaufschickend. Die Trommeln begannen, erst verhalten, dann fordernder, und die Tänzer traten in den Lichtkreis, ihre Körper glänzend, ihre Blicke seltsam abwesend, als seien sie bereits an einem anderen Ort, während ihre Füße noch im Staub von Kparatao standen. Dann griffen sie ins Feuer.
Ich sah, wie eine Hand brennende Kohle umschloss, wie eine Flamme über nackte Haut strich, ohne eine Spur zu hinterlassen, wie einer der Tänzer eine glühende Fackel an die Lippen führte und den Schein für einen Herzschlag verschlang, als koste ihn das nichts. Die Menge um mich hielt den Atem an, und ich mit ihr. Das Licht des Feuers warf tanzende Schatten auf die umstehenden Gesichter, verzerrte sie zu Masken, und für einen Moment konnte ich nicht mehr sagen, wer hier eigentlich tanzte – die Männer, oder das, was durch sie hindurch tanzte, uralt und ungebeten und doch willkommen zugleich.

Ein Windstoß fuhr durch die Flammen, ließ sie kurz nach mir greifen, obwohl ich in respektvollem Abstand saß – und in diesem Wimpernschlag war mir, als sähe mich das Feuer selbst an, nicht als Element, sondern als etwas, das ein Gedächtnis besitzt und sich noch an jeden Pakt erinnert, der ihm je geschlossen wurde. Vielleicht bildete ich es mir ein. Aber die Hitze, die mein Gesicht in diesem Moment streifte, war real genug, dass ich unwillkürlich zurückwich.

Als die Tänzer zuletzt die Glut mit bloßen Füßen austraten, ohne ein Zeichen von Schmerz, war die Nacht bereits vollständig über dem Dorf zusammengeschlagen, und nur die Sterne blieben als Zeugen zurück. Ich ging schweigend zurück zu meiner Unterkunft, das Bild der ins Feuer greifenden Hände noch immer vor Augen, und dachte an jenen alten Pakt, geschlossen aus Trauer und Notwendigkeit, gehalten über Jahrhunderte hinweg von Menschen, die gelernt hatten, mit dem zu tanzen, was andere nur fürchten. Seither, wenn ich vom Feuer schreibe, weiß ich, dass es mehr sein kann als Zerstörung – es kann auch ein Zeuge sein, ein Gläubiger, ein Partner in einem Vertrag, der nie unterschrieben, aber nie gebrochen wurde.
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