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Karel Sabina - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Karel Sabina

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Sein Leben

Karel Sabina wurde am 29. Dezember 1813 in Prag geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, erhielt jedoch eine höhere Schulbildung und studierte Philosophie sowie Rechtswissenschaften. Das Jurastudium schloss er nicht ab. Seinen Lebensunterhalt verdiente er anschließend vor allem als Journalist, Schriftsteller und Literaturkritiker. Er gehörte zum Umfeld des Dichters Karel Hynek Mácha und setzte sich nach dessen frühem Tod für die Anerkennung seines Werkes ein.

Sabinas Leben war eng mit den politischen Konflikten seiner Zeit verbunden. Als radikaler Demokrat beteiligte er sich an der Revolution von 1848. Wegen seiner Mitwirkung an einer weiteren geplanten Erhebung wurde er 1849 verhaftet und später zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde in eine langjährige Haftstrafe umgewandelt. Erst eine Amnestie ermöglichte ihm 1857 die Rückkehr nach Prag.

Neben Romanen, Erzählungen und politischen Texten schrieb Sabina Opernlibretti. Besonders bekannt wurde seine Zusammenarbeit mit Bedřich Smetana, für dessen Opern „Die Brandenburger in Böhmen“ und „Die verkaufte Braut“ er die Texte verfasste.

Eine schwere Belastung seines Nachruhms bildet seine Tätigkeit als Informant der österreichischen Polizei. Als diese Zusammenarbeit 1872 öffentlich aufgedeckt wurde, verlor er weitgehend die Unterstützung seines literarischen und politischen Umfelds. Seine letzten Jahre verbrachte er in Armut und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Sabina starb am 9. November 1877 im Alter von 63 Jahren in Prag. Sein Grab befindet sich auf den Olšany-Friedhöfen.
Sein Werk im Bereich der Horrorliteratur

Für meine Beschäftigung mit Horrorliteratur ist Karel Sabina besonders als Vertreter der düsteren tschechischen Romantik interessant. Sein Gesamtwerk umfasst sehr unterschiedliche Gattungen. Die deutlichste Verbindung zur Schauerliteratur liegt in seiner frühen Prosa, in der verhängnisvolle Leidenschaften, Schuld und die Nähe des Todes das Geschehen bestimmen.

Im Mittelpunkt steht für mich die Novelle „Hrobník“ – auf Deutsch „Der Totengräber“, die 1837 zunächst in einer Zeitschrift und 1844 als Buch erschien. Sabina verbindet darin die geheimnisvolle Vergangenheit eines Totengräbers mit unglücklicher Liebe, Rache und familiären Verstrickungen. Friedhöfe, nächtliche Unwetter und Grabgewölbe schaffen eine Atmosphäre, die an den europäischen Schauerroman anknüpft. Mich reizt besonders, wie diese Schauplätze mit den inneren Konflikten der Figuren verbunden sind: Die Toten sind gegenwärtig, weil die Lebenden ihre Vergangenheit nicht bewältigen können.
Zu den beklemmendsten Motiven gehört für mich der Scheintod. Eine Figur wird für tot gehalten und in einen Sarg gelegt, obwohl sie das Geschehen weiterhin wahrnimmt. Die Vorstellung, bei Bewusstsein zu sein und sich nicht bemerkbar machen zu können, besitzt eine unmittelbare körperliche Wirkung. Zugleich zeigt Sabina, wie menschliche Verletzungen in zerstörerische Handlungen umschlagen können. Das Grauen entsteht aus einer Verbindung von äußerer Bedrohung und seelischer Verzweiflung.

Einen anderen Zugang eröffnet „Oživené hroby“ (1870), dessen Titel sich etwa mit „Belebte Gräber“ übersetzen lässt. Das Werk verarbeitet Sabinas Erfahrungen als politischer Gefangener. Die Gräber des Titels stehen sinnbildlich für die Gefängnisexistenz: Menschen leben weiter, während ihre Freiheit und ihre Zukunft unerreichbar erscheinen. Die Erzählung gehört zur Gefängnisliteratur und enthält auch ironische Züge. Aus meiner Perspektive berührt sie dennoch eine Angst, die ebenso im psychologischen Horror wirksam ist – eingeschlossen zu sein und allmählich die Hoffnung auf ein anderes Leben zu verlieren.

Als Autor interessiert mich an Sabina besonders, wie Vergangenheit und Gegenwart ineinandergreifen. Ein verschwiegenes Verbrechen oder eine alte Kränkung kann das Leben einer ganzen Gruppe bestimmen. Darin liegt für mich eine ergiebige Grundlage unheimlicher Geschichten: Menschen versuchen, etwas zu begraben, das in ihren Beziehungen und Entscheidungen längst weiterlebt.
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